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Mo. , 06. Feb. 2023



Banklehre als Sprungbrett

Tobias Welp startete nach einer Ausbildung zum Steuerberater durch

2022 12 16 tobias welpDas Sprichwort „Jeder ist seines Glückes Schmied“ ist wohl fast so alt wie der Beruf des Schmiedes selbst. Wird es gerne von jenen zitiert, die es weit gebracht haben, so gibt es auch stets die Kritiker, die viele Wendungen im Leben als Schicksal abtun. Als Tobias Welp nach der vierten Klasse als stiller, schüchterner Junge mit mäßigen Schulnoten auf der Edith-Stein-Schule landete, da schien auch sein Schicksal vorhersehbar. Doch es kam anders.

Das familiäre Umfeld der Sendener Hauptschule wurde die Petrischale, in der Tobias Welp zu wachsen begann. Früh fand der Junge heraus, wie gut ihm positive Bestärkung durch schulische Erfolge tat. Er wurde fleißig, lernte eifrig und blühte regelrecht auf. „Ich blicke heute mit Dankbarkeit auf meine Zeit an der Hauptschule zurück. Ich würde alles genauso wieder machen“, erzählt der 28-jährige Ottmarsbocholter, der mittlerweile Steuerberater ist und in Kürze eine neue Stelle in Münster antritt. Schlüsselfigur in seiner Karriere sei Rainer Leifken, der Schulleiter der Edith-Stein-Schule, gewesen: „Er hat mich richtig mitgenommen, nicht nur schulisch, sondern auch über unser gemeinsames Hobby“, erinnert sich Welp und spielt damit auf den Fußball an.

Leifken, Ex-Profi der 2. Bundesliga, war damals Zeuge, wie nicht nur die Erfolge in der Klasse, sondern auch die auf dem Fußballplatz den Jungen beflügelten. „Ohne Selbstbewusstsein kann man nicht lernen“, lautet ein Credo des Pädagogen. Die Tatsache, dass Welp freiwillig in den Ferien ein Praktikum bei der Sparkasse in Senden machte, ist dem Schulleiter noch gut in Erinnerung, ebenso wie Welp selbst, der bei dieser Gelegenheit seine Liebe zur Welt der Zahlen entdeckte. „Nach dem Fachabi habe ich dann meine Ausbildung bei der Sparkasse Münsterland Ost gemacht. Ich habe mich da wohlgefühlt, alle Bereiche des Bankwesens kennen gelernt“, blickt er zurück.

Nach der Ausbildung liebäugelte er mit einem dualen Studium, wollte noch weiter. Als sich das nicht umsetzen ließ, entschied er sich für ein reguläres BWL-Studium mit dem Schwerpunkt Steuern, Rechnungswesen und Wirtschaftsrecht. „Als ich nach dem ersten Semester Steuerrecht dazubekam, wusste ich auf einmal, wohin der Weg gehen sollte.“ Einer der ersten, die er als frisch gebackener Absolvent angerufen hatte, war sein früherer Schulleiter. „Ich bin Steuerberater!“, tönte es damals aus dem Hörer. „Ich wusste sofort, wer dran ist“, lacht Leifken heute. In losem Kontakt sind der Ausnahmeschüler, der jetzt für einer renommierten Beratungsgesellschaft tätig ist, und sein Mentor bis heute miteinander verbunden. Welp versteht sich und seinen Lebensweg als Beispiel dafür, dass die Berufswelt nach einer abgeschlossenen Ausbildung nach oben durchlässig ist: „Für mich war die Banklehre ein Sprungbrett. Ich denke, die meisten Ausbildungsberufe haben eine super Zukunft, und wer durchstarten möchte, dem stehen alle Tore offen.“