logo 2013 11 19 standard

Do. , 08. Dez. 2022



Plattdeutschen Komödie „We betüdelt hier wen?“

Publikum völlig aus dem Häuschen

2022 11 04 theaterIm Leben von Heinrich Löwe (gespielt von Thomas Lordiek) dreht sich alles nur ums liebe Geld – und um „Vitamin B“, was dem vor Überheblichkeit nur so strotzenden Millionär viele Vorteile bringt. Beziehungen zum Finanzamt, Beziehungen zum Bürgermeister und natürlich Beziehungen zur Bank. Nur zu dumm, dass der altgediente „Hauptmann von Köpenick“ (Heinz-Albert Koke) auch so seine Beziehungen hat. Nämlich zu seiner früheren Reservistengarde. Und diese Beziehungen könnten Löwe noch verdammt gefährlich werden. Die Besucher der plattdeutschen Komödie „We betüdelt hier wen?“ fanden’s einfach herrlich. Bei der Premiere der Schenkwaldspielschar am Freitagabend waren sie am Ende vor lauter Begeisterung völlig aus dem Häuschen: tosender Beifall als Lohn für eine fantastische Darbietung.

Das Altenwohnheim „Herbstlaub“ steht auf einer Goldmine. Sagt jedenfalls Heinrich Löwe – und deshalb müssen die alten Leute weg. Um jeden Preis. Um an dieser Stelle dann einen „Palazzo Prozzo“ errichten zu können mit einem noblen Amüsierviertel und Wellnessoasen. Und so setzt Löwe denn auch schon Gerüchte in die Welt, dass aus dem Hause „Herbstlaub“ bald ein „Komposthaufen“ wird. Und die Lage wird wirklich hochdramatisch: Die warmherzige Leiterin des Altenheims (Barbara Kock) weiß nicht mehr, ob ihr das Wasser nur bis zum Hals oder aber schon „bis zur Unterkante Oberlippe“ steht. Wieso hat denn die Bank Knall auf Fall ihre Kreditzusagen gekündigt? Und wieso kommt jetzt plötzlich „düsse Tante van Amt“ vorbei, um zu überprüfen, „of de Vüörschriwten auk inhollt wäern?“ Oder hat sie etwa nichts anderes im Sinn, als die Heimleiterin zu drangsalieren? Ein glänzende Rolle für Elisa Lindfeld. So streng wie ihre Frisur ist auch ihr Gesichtsausdruck. Und dann noch ihre schnippische Art: Das Publikum fand es einfach köstlich.

Zigarre im Mund, und alle Fäden in der Hand: Dementsprechend arrogant und selbstgefällig gibt sich Löwe. Aber er hat die Rechnung ohne die Heimbewohner gemacht. Zu denen auch Dorothea Freifrau zu Wintersheim (Hedwig Klaas) gehört. Aus ihrer Lebenserfahrung weiß sie: „Wan een Kop besunners haug gedriägen wäert, is he waorschienlik huol“. Wie ein verführerischer Profi versteht sie es, die „animalischen Süchte“ des Investors zu stillen – und in die intimsten Bereiche des „Löwenkäfigs“ vorzudringen.

Und der Hauptmann sieht „die vielleicht größte und wichtigste Schlacht in unserem Leben“ auf die Senioren zukommen. Es ist der gewisse Drill, womit der frühere Offizier imponiert. „Den Suldaot kriggst nich mäer ut di haruut, wan du so lang daint hest“. Heinz-Albert Koke vermochte hier wahrlich zu brillieren. „Een bietken mäer Disziplin, wan ik bidden draff“.

Ebenfalls einen Vollangriff auf die Lachmuskeln stellte Sophia Lichtenberg (Christiane Schmauck) dar mit ihrer Beharrlichkeit, nicht als Frau, sondern als „Frailain“ angeredet zu werden. „Un da wäerd sik auk niks mäer dran ännern“. So keusch sie sich zunächst auch zeigte – zum Schluss gab es eine Kehrtwendung um 180 Grad. Ihre überaus schlüpfrigen Sprüche sorgten für ein fulminantes Finale und entfachten einen wahren Beifallssturm.

Extra-Applaus gab es für Norbert Weber als „Bestatter Ansgar Schwarz“ , der kurzfristig für den erkrankten Werner Althoff eingesprungen war.

Bericht:  Westfälische Nachrichten/Ulrich Reismann