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Do. , 08. Dez. 2022



Geplante Windkraftanlagen in Ottmarsbocholt

Rotmilane sind vertrieben worden. Um eigene wirtschaftliche Interessen durchzusetzen?

roter milan windradIn der Oberbauerschaft südlich vom Ottmarsbocholter Ortskern sind zwei Windenergieanlagen geplant. Bauanträge für die im geänderten Flächennutzungsplan ausgewiesenen Windenergiebereich sind jetzt eingegangen, wie der Kreis Coesfeld auf Anfrage bestätigte. Doch auch im Kreis-Umweltausschuss war diese Planung ein Thema – aus einem anderen aktuellen Anlass. Denn die Untere Naturschutzbehörde hatte am Sonntagabend den Hinweis erhalten, dass Vergrämungsmaßnahmen gegen den Rotmilan durchgeführt worden seien.

„Dieser Meldung sind wir umgehend am Montag nachgegangen und haben auch Feststellungen gemacht. Es wird weitere Vor-Ort-Überprüfungen geben“, teilte der Kreis Coesfeld auf Anfrage der WN mit.

Kreistagsmitglied Günter Mondwurf (CDU) hatte dazu im Umweltausschuss in dieser Woche ebenfalls eine Anfrage gestellt. „Wir wollen die Energiewende, aber die Spielregeln müssen beachtet und der Bürgerfrieden gewahrt werden“, sagte Mondwurf.

Im anstehenden Genehmigungsverfahren für die Anlagen, die die „Bürgerwind Ottmarsbocholt“ errichten will, werden unter anderem die Auswirkungen auf den Artenschutz untersucht.

Christian Rohlmann, in dessen Wäldchen im Einzugsbereich der geplanten Windenergieanlagen Rotmilane offensichtlich schon verscheucht worden sind, wurde vom Kreis am Montag über einen Vorfall informiert. Ein Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde habe beobachtet, wie jemand mit Ästen gegen Bäume geschlagen habe, um die Rotmilane vom Horst-Bau abzuhalten.

„Daraufhin habe ich ein Betretungsverbot für alle Mitglieder der Bürgerwind verhängt“, sagte Rohlmann. Doch am Dienstag beobachtete ein Anlieger des Wäldchens eine Drohne, die mit Sturzflügen die Vertreibung der Rotmilane fortgesetzt habe. „So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt der Waldbesitzer. „Ich selbst hatte beim Kreis kurz zuvor gefragt, ob ich zum Holzeinschlag in den Wald kann – und wurde darauf hingewiesen, dass ich das bis zum Ende der Brutzeit nicht darf“, so Rohlmann. Ein Bürgerwind-Geschäftsführer lehnte eine Stellungnahme gegenüber den WN dazu ab.

Der Rotmilan spielt im Zusammenhang mit der Windkraft im Münsterland immer wieder eine Rolle. „Leider geht Bürgerwind mit den Planungen nicht zu den Anliegern. Das ist enttäuschend“, erklärte Alfred Holz zur Vorgeschichte. „Ich bin nicht gegen Windenergie. Aber ich setze mich dafür ein, dass die Planung auf vernünftige Weise geschieht und dass die Anwohner einbezogen werden“, meinte der frühere Bürgermeister, der in der benachbarten Kreuzbauerschaft wohnt. „Gut, dass der Kreis jetzt die Verjagungsaktionen, die hoffentlich Konsequenzen haben, mitbekommen hat“, ergänzte Holz.

Bericht: Thomas Fromme/Westfälische Nachrichten