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So. , 28. Nov. 2021



Landwirte kritisieren „ruinöse“ Entwicklung bei Schweinepreisen

Fairen Wettbewerb schaffen

2021 11 18„Wir sind hier ein Gunststandort für die Lebensmittelerzeugung. Und das müssen wir auch bleiben“, betonte Martin Bontrup, stellvertretender Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes, auf der Generalversammlung des Ottmarsbocholter Ortsverbandes am Dienstag in der Gaststätte Lindfeld. „Wir haben fruchtbare Böden, die ohne Bewässerung auskommen, und ein gemäßigtes Klima“. Und dazu habe man die passenden Betriebe entwickelt.

Landwirte müssten mal Klartext reden, „denn sonst tut das ja keiner“. Die Bauern hätten einen anderen Blickwinkel als jene Leute, „für die es eine Selbstverständlichkeit ist, dass immer alles da ist. In England merkt man allmählich, wenn nicht alles da ist. Aber das gleiche kann uns hier auch passieren“, so Bontrup. Natürlich wolle man die hiesige Region mit hochwertigen Nahrungsmitteln versorgen, gleichzeitig brauche man auch den Zugang zu den internationalen Märkten. „Wir müssen einen fairen Umgang mit der Landnutzung hinkriegen“. Aufgrund der Diskrepanz zwischen einem Preisverfall bei Schweinefleisch auf der einen und extrem hohen Preisen für Futterweizen auf der anderen Seite – was der Ortsverbandsvorsitzende Philipp Beckhove als ruinös bezeichnete – würden die Schweinebestände weltweit abgestockt, führte Bontrup aus. Außer in Spanien.

Dieses Land habe die Schweinefleischbranche ganz gezielt als Arbeitsplatzmotor genutzt, weil da „sonst nichts los ist“. Man reibe sich die Augen, denn die großen Ställe würden in solchen Regionen gebaut, „wo fast kein Wasser ist“. Es gebe Szenarien, Spanien sei in 2050 wegen der Trockenheit „in weiten Teilen unbewohnbar“. Das müsse dann doch für Schweine erst recht gelten. Dagegen habe man im Münsterland „nahezu den perfekten Standort.“

„Mit so vielen Fragezeichen bin ich eigentlich noch nie in eine Generalversammlung gegangen“, hatte Philipp Beckhove bei der Begrüßung angemerkt – mit Blick auf die gesellschaftliche Auseinandersetzung um die „richtige“ Landwirtschaft, weitere Daumenschrauben der Politik und die Afrikanische Schweinepest.

„Sicher, man kann die Sachen runterfahren. Aber ob uns da wirklich mit geholfen ist, möchte ich doch bezweifeln“, erklärte Bürgermeister Sebastian Täger. „Wir haben in Deutschland die höchsten Standards, und wenn wir dann irgendwann mal abhängig werden vom Ausland, so ist das kein gutes Zeichen“. Kreislandwirt Georg Silkenbömer gab zu bedenken: Wer als alternative Einkommensquelle mit dem Gang in die Direktvermarktung liebäugelt, sollte nicht der Illusion verfallen, dass da „immer das Geld auf der Straße liegt“.

Bei den Wahlen wurde Philipp Beckhove als Vorsitzender bestätigt ebenso wie Kassierer Christoph Lindfeld. Neuer zweiter Vorsitzender ist Alexander Plietker, der nach zwölf Jahren Matthias Schulte Spechtel ablöste. Neuer Schriftführer wurde Daniel Eilers, der nach 15 Jahren Ulrich Reismann folgt. Bauerschaftsvertreter bleiben Reinhard Holtermann und Thomas Schulze Langenhorst (Kreuzbauer), Reiner Nacke und Robert Homann (Oberbauer), Wilhelm Soddemann und Felix Wierling (Dorfbauer), Josef Kippenbrock (Dorf) sowie Josef Krüskemper und Franz-Josef Welp (Venne). Der Jugendabteilung gehören neben Hendrik Focke, Jens Hölscher, Raphael Närmann und Andre Welp jetzt neu noch Maximilian Brüse und Daniel Rüther an.

 

Bericht + Foto: WN/Ulrich Reismann