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So. , 28. Nov. 2021



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Kirchenchor St. Urban feiert 100-jähriges Bestehen

2019 kirchenchor2021 11 13 kirchenchor 2Die Historie des Kirchenchors St. Urban ist in edles Leder gebunden. Der dicke Wälzer hält handschriftlich in Sütterlin die Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte fest – jeden Auftritt, jede personelle Veränderung sowie die Schilderung verschiedener Anekdoten. Längst ist ein weiterer Band hinzugekommen, nicht mehr so edel, aber dennoch ebenso akkurat geführt wie sein Vorgänger. 24 Jahre lang hat Adelheid Hanning dieses Buch geführt und kennt sich daher bestens in der Geschichte des Kirchenchors St. Urban aus.

Am Samstag (20. November) feiert er sein 100-jähriges Bestehen – um 17 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche und im Anschluss mit einer internen Feier im Pfarrheim. Natürlich coronakonform. Zum 75-Jährigen sei das noch ganz anders gewesen, erinnert sich Hanning. Damals gab es neben dem Festgottesdienst eine große Feier in einer Gaststätte mit zahlreichen Gästen.

Und jetzt: „Bis vor vier Wochen wussten wir nicht, ob wir überhaupt feiern dürfen“, sagt Hanning.

Bereits vor dem Gründungsjahr des Kirchenchores 1921 wurden in St. Urban Gottesdienste gesanglich begleitet. Sieben Männer bildeten 1892 eine Gesangsgruppe, die gregorianische Choräle intonierte. Die Gründung eines größeren Chores scheiterte an Platz und Geld. Die Orgelbühne war zu klein. Durch Spenden kamen 6000 Mark zusammen, um sie zu vergrößern. Und so fanden sich schließlich im Gründungsjahr 32 Männer zum Kirchenchor mit dem Dirigenten Schneider zusammen. Erster Vorsitzender war Anton Niehues. Bis im Chor neben Tenor und Bass auch Alt- und Sopranstimmen erklangen, vergingen 14 Jahre. Erst 1935 unter dem neuen Vorsitzenden Philipp Lindfeld wurden Frauen in den Chor aufgenommen – immerhin gleich 25.

Im Zweiten Weltkrieg ruhten die Aktivitäten der St.-Urban-Sängerinnen und -Sänger. Sie wurden erst im Herbst 1945 unter Chorleiter Franz Doth wieder aufgenommen. In diese Zeit fallen auch erste Kontakte zu anderen Chören. So wird in der Chronik für das Jahr 1947 ein Freundschaftsbesuch eines Chores aus Lünen vermerkt. Der Bericht enthält weniger Hinweise auf die Sangeslust der Gäste, vielmehr wird ein Verköstigungsproblem für die 80-köpfige Gruppe erwähnt. Die Ottmarsbocholter reichten damals „kalorienreiche Bohnensuppe mit Rollmöpsen“.

Dass im Kirchenchor echte „Ottis“ aktiv sind, haben die Mitglieder im Karneval bewiesen. So wurde im Jahr des 75-jährigen Bestehens von den Chormitgliedern ein Motivwagen für den Narrenzug gestaltet. „Wir waren als Noten verkleidet“, erinnert sich Hanning, die selbst seit 1979 im Chor singt. In dieses Jahr fällt auch der erste Auftritt der Sängerinnen und Sänger mit Orchesterbegleitung und Solostimmen. Aufgeführt wurde die Mozartmesse „Missa brevis in B-Dur“. „Die Männer trugen schwarze Anzüge, weiße Hemden und rote Krawatten, wir Frauen hatten rote Röcke an“, erzählt Hanning.

Drei Chorleiter bestimmten in den vergangenen fünf Jahrzehnten das musikalische Geschehen in St. Urban: Renate Heine, Rolf Ziebolz und seit 2010 Klaus Andresen. Zu den regelmäßigen Auftritten des Chores zählen unter anderem die alle zwei Jahre stattfindenden Adventskonzerte. Aktuell gehören dem Kirchenchor St. Urban 20 Frauen und zehn Männer an.

Bericht: Westfälische Nachrichten/Peter Werth