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Fr. , 06. Aug. 2021



Bernard Diekemper verlässt die Volksbank in Ottmarsbocholt

Geldfragen – nicht nur am Schalter | Bekenntnis zur Bank vor Ort

2021 06 24 volksbank diekemperDer Mathe-Pauker war ein Pädagoge mit einem Gespür für Talente und Neigungen. Theodor Heubrock empfahl dem Realschüler einen Ausbildungsplatz bei der Bank, bei der er zuvor schon wegen der Lehrlingslage vorgefühlt hatte. Woraufhin sich Bernard Diekemper in das Gebäude des heutigen „Senioren-Treffpunkts“ an der Münsterstraße begab, in dem damals die Spar- und Darlehnskasse Senden residierte, Vorläuferinstitut der heutigen Volksbank. Die Chemie zwischen Leiter Gisbert Ernst und dem „Stift“ in spe stimmte, das Zeugnis auch: Als 17-Jähriger heuerte Diekemper am 1. August 1974 bei dem genossenschaftlichen Kreditinstitut an. Und hielt dem Arbeitgeber fast 47 Jahre die Treue.

Die zupackende Hilfe bei der Berufsorientierung entpuppte sich als goldrichtig. „Es war ein Treffer“, blickt der Bankkaufmann zurück, der zum Ende Mai in den Ruhestand entlassen wurde.

Und zwar als Leiter der Zweigstelle in Ottmarsbocholt – eine Funktion, in die er in den 80er Jahren aufgerückt war. Geboren im Krankenhaus Ottmarsbocholt, verbrachte er sein Arbeitsleben seit dem 15. Mai 1978 in dem Flachdachgebäude am Davertweg. Nur einen Tag, nachdem der 15-monatige Wehrdienst, der die Tätigkeit bei der Bank unterbrochen hatte, beendet war.

Als Schüler flog ihm der Unterrichtsstoff in Mathe zu, schildert Diekemper. Doch seine Aufgabe bestand nicht nur im sicheren Umgang mit Zahlen. Er sah auch den Mensch dahinter.

Als personifizierte Volksbank und zugleich aktiver Teil der Otti-Botti-Community – von den Hörster Narren bis zur St. Johannes-Schützenbruderschaft – wurde manches Finanzthema auch jenseits von Schalter und Öffnungszeiten angesprochen. Was eine Balance zwischen Beruf und Privatleben verlangt: Vertieft und gelöst wurden die Fragestellungen dann aber doch im Büro. Die kurzen Wege – zur Bank und innerhalb der Bank – wussten die Kunden zu schätzen. Diekemper habe sich als Allrounder ausgezeichnet, würdigt Bankvorstand Rottmann: vom Kreditgeschäft über die Anlageberatung bis zur Baufinanzierung. Bei komplizierten Details wurden Fachkollegen hinzugezogen. Aber die persönliche Beratung auf Augenhöhe war und ist das Markenzeichen der kleinen Genossenschaftsbank, unterstreicht Rottmann. In Jahrzehnten habe sich ein beiderseitiges Vertrauensverhältnis zu den Kunden entwickelt, so Diekemper, der ihnen auch mal als Kummerkasten diente. Die Kunden fordern, fair beraten zu werden und pochen auf marktübliche Konditionen. Diese Erwartung zu enttäuschen – „das können Sie sich auf dem Dorf gar nicht leisten“, unterstreicht Diekemper. Der jetzt mehr Zeit hat fürs Radeln und die Enkel.

Michael Kröhn übernahm zum 1. Juni die Leitung in Ottmarsbocholt. Der Vorstand bekennt sich zur „Dorf-Bank“: „Prämisse ist, dass wir weiterhin vor Ort sein wollen.“ Mehr noch: Der Standort soll modernisiert werden. Kröhn stammt aus Erfurt, wechselte nach mehreren Führungsfunktionen 2019 nach Senden. Er ist ambitionierter Läufer und widmet sich als Hobby mechanischen Uhren.