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Mo. , 06. Feb. 2023



Schenkwaldspielschar feiert Premiere

Lachen über die Last der Lust

Von wegen olle Kamellen auf Platt: Die Schenkwaldspielschar brachte einen turbulenten zeitgenössischen Schwank auf die Bühne – und hatte die Lacher und den Applaus auf ihrer Seite.

Für jene Männer, die keine hohen Telefonrechnungen fürchten und mit lüsternen Frauen über ihre erotischen Fantasien plaudern möchten, gibt es seit dem Wochenende eine neue Top-Adresse: Sie sollten unbedingt bei Frieda Kramer anrufen. Die Nummer steht allerdings in keinem Telefonbuch und ist auch im Internet nicht zu finden. Für alle, die Kontakt mit ihr aufnehmen möchten, gibt es nur die eine Möglichkeit: An einem der beiden kommenden Wochenenden die Theateraufführungen der Schenkwaldspielschar besuchen. Und machen sie sich dann auf was gefasst: Es wird verdammt dreckig...

 

Einen Vorgeschmack darauf lieferten die beiden ersten Vorstellungen, die am Samstagabend und am Sonntagnachmittag bei Vollmer über die Bühne gingen. Den anzüglichen Herren am anderen Ende der (Telefon-)Leitung verschlug es glattweg die Sprache, als Frieda ihnen in zügelloser und impulsiver Weise Lust machen wollte: „Ich komme gerade aus dem Stall und habe gemolken. Ja. Ich trag einen grauen Kittel und ein Kopftuch. Und meine Gummistiefel sind voll mit Kuhsch... Ist das für dich dreckig genug?" Leider blieb dieser leidenschaftlichen Schilderung nicht der erhoffte Erfolg vergönnt – es kam zu keinem Rendezvous. Aber was nicht ist, kann ja vielleicht noch werden.

An den beiden nächsten Wochenenden werden die Telefondrähte auf die Vollmersche Bühne infolge des jetzt rapide ansteigenden Bekanntheitsgrades von Frieda (eine geniale Rolle für Angelika Pühringer) garantiert heiß laufen.

Was die Ottmarsbocholter Schenkwaldspielschar in diesem Jahr zu bieten hat, das ist ein plattdeutscher Klamauk, wie ihn sich ausgehungerte Lachmuskeln schöner wohl kaum wünschen können.

Mit temperamentvollen Leistungen bringen die Spieler eine Komödie in die Herzen eines Publikums, das aus dem Lachen kaum noch heraus kommt. Insbesondere am Sonntagnachmittag, als der restlos ausverkaufte Saal aus den Nähten platzte, wurden die Darbietungen immer wieder umjubelt. „Bessen, Beer un Beaujolais", wie der Dreiakter betitelt ist, gibt ein fantastisches Beispiel dafür, wie ungemein lustig das Geschäft mit der Lust doch sein kann.

Es sind aber beileibe nicht nur frivole Telefongespräche, die immer wieder Lachtränen über die Wangen kullern lassen. Sondern auch ausgebuffte Mäuse, die die Gunst der Stunde nutzen und auf den Tischen tanzen, nachdem die Katze aus dem Haus ist...

 

Quelle: WN vom 12.11.2013 (Text und Foto: Ulrich Reismann)