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Mo. , 24. Jul. 2017



300 Jahre St. Johannes-Bruderschaft

Lebendige Tradition baut auf Gemeinsinn

01 k03 kSpräche man einfach nur von „nass“, so würde das den Sachverhalt nur unzureichend wiedergeben. Denn wenn man den Feuchtigkeitsgehalt der Schützenuniformen nach dem Festakt am Sonntagnachmittag beschreiben wollte, so wäre da „klatschnass“ schon die treffendere Formulierung. Es schüttete – und nicht nur bei Andreas Brodherr zog der Regen bis auf die Haut. Die Wassermassen, die da am Sonntagnachmittag im Verlauf des Sternmarsches und während des Festaktes runter kamen, hatten es schon in sich.

„Eigentlich“ würde es ja heißen, dass in Ottmarsbocholt immer die Sonne scheine, meinte DJ Kernie später im Festzelt. Aber: Offensichtlich bestätigten auch hier wieder einmal Ausnahmen die Regel – an die sich das Wetter dann aber auch wieder hielt: Unmittelbar nach der Regenfront brannte nämlich die Sonne bereits wieder vom Himmel und sorgte bei den 1000 Geburtstagsgästen für eine wohltuende Trocknung ihrer Jacken und Hemden.

 02 kIn den Ansprachen wurde die St. Johannes-Bruderschaft als Musterbeispiel für gelebte Solidarität herausgestellt. Wie dieses gesellschaftliche Miteinander hier am Ort historisch wie auch aktuell funktioniere, „das ist eine ehrenamtliche Meisterleistung“, erklärte Winfried Närmann, der als Vorsitzender des Schützenvereins der Vereinigten Bauerschaften stellvertretend für alle 16 geladenen Gastvereine gratulierte. Dabei hob er die Bedeutung bei der Integration von Neubürgern hervor. „Macht weiter so, dann sind wir in 25 Jahren wieder dabei“. Solidarität sei der „Kitt, der alles zusammenhält“, das hatte Pfarrer Klemens Schneider morgens im Gottesdienst betont. Leider gebe es, so müsse er immer wieder feststellen, viel zu viele Streitigkeiten in der Nachbarschaft und in der Familie. Feste der Schützenvereine böten die Chance, neu aufeinander zu zugehen.

05Bürgermeister Sebastian Täger lobte vor prächtiger Kulisse im Dillenbaum zunächst die „mutige Idee“, das Jubiläum mit einem Oktoberfest zu starten. Dadurch habe man bewiesen, dass man Tradition „auch mal neu denken und dennoch bewahren kann“. Auch hiermit sei ein Beitrag geleistet worden, das kulturelle Dorfleben enorm zu bereichern. Wenn Ottmarsbocholt in diesen Tagen „ein wirklich wunderschönes“ Jubiläum feiern könne, so liege das an der intensiven Vorbereitung und einer Vielzahl von Helfern. Das sei keine Selbstverständlichkeit. „Deshalb möchte ich heute nicht nur gratulieren, sondern vor allem auch Dank aussprechen“, so Täger.

Andreas Brodherr nahm das Stichwort „Miteinander“ auf und lobte den Junggesellenverein für die mehr als 65-jährige Zusammenarbeit bei den gemeinsamen Schützenfesten. In diesem Zusammenhang hatte Winfried Närmann betont, dass sich das Schützenwesen in Ottmarsbocholt bei der Jugend eines starken Zulaufs erfreue und es um die Zukunft somit bestens bestellt sei. Mit dem „endlosen Fortbestehen im Geiste der alten Tradition“, wie der Wunsch des Heimatvereins-Vorsitzenden Stefan Frie beim morgendlichen Frühschoppen gelautet hatte, kann es also durchaus was werden.

Mit explosivem Schwarzpulver wurde dem Geist von Beistand, Hilfe und Verbundenheit am Nachmittag laut – aber ungefährlich – Ausdruck verliehen. Ungezählte Böllerschüsse donnerten durch den Ort, die von fünf Schaftböllern der Kanoniertruppe des Ascheberger Bürgerschützenvereins abgefeuert wurden. Für Freude bei den Nachwuchskickern von Blau-Weiß Ottmarsbocholt und Davaria Davensberg hatte am Morgen Andreas Brodherr gesorgt, als er ihnen einen Satz Trikots und ein Netz voll Bälle geschenkt hatte. Als Anerkennung für das Schilder-Tragen an der Spitze der Gastvereine beim Sternmarsch – bei dem auch sie dann pitschenass wurden.

Da war der schwache Schauer am Morgen bei der Gefallenenehrung auf dem Friedhof noch harmlos. Dabei schlug Oberst Markus Möller eine Brücke zur aktuellen Flüchtlingssituation.

Quelle: Westfälische Nachrichten

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