logo 2013 11 19 standard

So. , 24. Jan. 2021



Veterinäramt genehmigt mobile Teilschlachtung auf Hof Holtermann

Wertschätzung der Tiere bis zuletzt

2020 12 09 holtermann kDer Hof Holtermann blickt auf eine 240-jährige Tradition zurück. Doch hat die Entwicklung der Landwirtschaft dazu geführt, dass Reinhard und Ulla Holtermann sowie ihr Sohn Jonas den Hof nur noch im Nebenerwerb betreiben. „Als kleiner Betrieb mussten wir uns eine Marktnische suchen und haben 2019 mit der Direktvermarktung von Rindfleisch begonnen“, erzählt Ulla Holtermann. So wurden in diesem Jahr 16 Rinder, die auf der Holtermanns Weide grasten oder aus Freilandhaltung zugekauft wurden, in der sechs Kilometer entfernten Fleischerei Bonkhoff in Ascheberg geschlachtet, weiterverarbeitet und dann auf dem Hof verkauft. Ganz neu ist, dass die Tiere jetzt auch direkt auf dem Hof „teilgeschlachtet“ werden dürfen.

Das Verfahren dient zugleich dem Tierwohl und der Qualität ihres vermarkteten Fleisches: „Durch den Transport zum Schlachter erleiden die Tiere Stress und sondern Hormone ab. Wenn sie hier geschlachtet werden, passiert das nicht, weil sie im gewohnten Umfeld bleiben. Wir sind der erste Hof im Kreis Coesfeld, auf dem das geht“, so die Landfrau.

Für die Genehmigung durch den Kreis Coesfeld seien drei Vorgaben erfüllt worden, sagt Veterinärärztin Annette Ludowicy auf Anfrage: 1. Die Fleischerei Bonkhoff in Ascheberg verfüge über die EU-Zulassung für „teilmobile Schlachtungen“, das heißt: Der Schlachter kommt mit einem speziellen Fahrzeug zum Rind, betäubt und tötet es vor Ort. 2. Der Transport des Tieres zur Weiterverarbeitung in der Schlachterei darf nicht länger als 45 Minuten dauern. 3. Die Einrichtung zur Fixierung und Betäubung des Tieres auf dem Hof muss die Vorgaben der Tierschutz-Schlachtverordnung erfüllen.

Alle sechs Wochen ist Verkaufstag auf dem Hof Holtermann (nächster Termin ist der 12. Dezember). „Wir haben eine starke Nachfrage. Aber es wird nicht geschlachtet, um möglich viele Leute zu versorgen. Wenn das Fleisch weg ist, ist es weg“, sagt Ulla Holtermann.

Dieselbe Philosophie verfolgt Daniel Reicks , der auf dem benachbarten Hof Fögeling angestellt ist und mit Familie Holtermann kooperiert. Der 30-jährige (studierte) Landwirt hat von seinem Chef eine Fläche gepachtet, auf die er im März 2019 ein Hühnermobil mit 170 Legehennen platziert hat. Seither bietet er im Nebenerwerb Eier von „glücklichen Hühnern“ in Freilandhaltung an. Auch Daniel Reicks verzeichnet eine wachsende Nachfrage und hat mittlerweile ein zweites Hühnermobil angeschafft, neuerdings auch einen Stall für Hähnchen. „Es ist eine langsam wachsende Rasse. Die Tiere leben länger, haben doppelt so viel Platz, wie sie haben müssten, bekommen gentechnikfreies Futter und können frei laufen“, erläutert Daniel Reicks. Geschlachtet werden die Hähnchen in einem speziellen Betrieb im etwa 25 Kilometer entfernten Walstedde. Von dort kehren sie im Kühlwagen zurück nach Ottmarsbocholt, wo sie an einem mit den Kunden vereinbarten Termin verkauft werden.

Wegen der winterlichen Temperaturen wachsen aktuell keine Hähnchen in der mobilen Station auf: „Zur Aufzucht brauchen die Küken 40 Grad, das wäre im Nebenerwerb zu aufwendig für mich“, erklärt der Ottmarsbocholter, dem es nicht allein auf den finanziellen Aspekt seiner Arbeit ankommt. Wichtig ist ihm, ebenso wie für Familie Holtermann, dass die Tiere bis zum Tod wertgeschätzt werden und sie als Landwirte im direkten Kontakt mit den Verbrauchern stehen.

Quelle: Westfälische Nachrichten / Siegmar Syffus