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So. , 24. Jan. 2021



Ex-Fußballer jetzt als Triathlet unterwegs

Aller guten Dinge sind drei

heitkoetter triathlon kLäufe gehören nicht eben zu den Lieblingsbeschäftigungen von Amateurfußballern, sind aber unabdingbarer Teil der Saisonvorbereitung. Man muss sich das in der Regel so vorstellen: vorneweg die Flügelflitzer, in der Mitte die übrigen Spieler und ganz am Ende die Torleute, bei denen es naturgemäß eher auf Reaktionsschnelligkeit denn auf Ausdauer ankommt. Insofern werden sie beim damaligen B-Ligisten SC BW Ottmarsbocholt nicht schlecht gestaunt haben, als Marcel Heitkötter vor ein, zwei Jahren plötzlich das Feld von hinten aufrollte und die Kollegen nur mehr die Hacken des Keepers sahen.

Inzwischen ist Heitkötter ganz aus dem Blickfeld der Blau-Weißen verschwunden, für ihn sind jetzt aller guten Dinge drei: schwimmen, radfahren, laufen. Der 28-Jährige hat auf Triathlon umgesattelt und bereut seine Entscheidung, Corona zum Trotz, kein Stück: „Mag sein, dass ich irgendwann mal zwischen die Pfosten zurückkehre, aber die Sportart hat mich doch ziemlich gepackt.“ Begonnen habe es ganz harmlos: „Ich wollte
was für meine Fitness tun.“

So sei er schließlich zum Dreikampf gekommen – wenngleich er sich das richtige Kraulen erst beibringen musste. Heitkötters Lieblingsdisziplin – der Mehrzahl der Triathleten geht das ähnlich – ist das Schwimmen bis heute nicht. Aber: Er schlage sich so durch. Was man durchaus wörtlich nehmen darf. Abstand zu halten mag das Gebot der Stunde sein, funktioniert im Wasser aber nur bedingt. So regelmäßig wie unabsichtlich bekommt er Hände und Füße der Mitstreiter ins Gesicht (oder dorthin, wo es noch ein bisschen schmerzhafter ist).

Das Rad war anfangs ein gebrauchtes aus dem Kleinanzeigenteil, kürzlich hat sich Heitkötter eine Spezialmaschine angeschafft. Damit mache es noch einmal so viel Spaß, seine Runden ums Venner Moor oder entlang des Kanals zu drehen.

Und ja, Triathlon habe „schon ein gewisses Suchtpotenzial“. Zumal sich die ersten Erfolge rasch eingestellt hätten. „Vierter oder Fünfter“ in seiner Altersklasse wurde der Endzwanziger 2018, bei der Premiere in Altenrheine, über die Volksdistanz (500 Meter Schwimmen/20 Kilometer Radfahren/fünf Kilometer Laufen).

2020 hätten es vier Wettkämpfe sein sollen, auch über die Olympische Distanz (1,5 km/40 km/10 km). Alle wurden pandemiebedingt gestrichen. Sich mit anderen zu messen, „fehlt mir sehr“, räumt Heitkötter ein.
Tja, wäre er mal beim Fußball geblieben. Dann hätte er vor dem zweiten Lockdown immerhin sieben Partien für den hiesigen A-Ligisten bestreiten können. „Nee“, lacht der Goalie, der insgesamt 20 Jahre das Tor seines Heimatvereins BWO, des VfL Senden und des SC Union Lüdinghausen hütete. Die Jungs bei den Heimspielen von der Tribüne aus anzufeuern, reiche ihm völlig. Zumal die nun alleinige Nummer eins der Blau-Weißen,
Dennis Kerkenhoff, „einen tollen Job macht“. Ob er mit dem bisherigen Abschneiden des Aufsteigers – aktuell Tabellenplatz drei – gerechnet habe? „Ich fand schon, dass sich der Verein im Sommer intelligent verstärkt hat. Aber dass es so gut laufen würde, kam für mich doch etwas überraschend.“

Heitkötter kann sich also ganz auf sein neues Hobby konzentrieren. Jetzt, in der kalten Jahreszeit, kurbelt er vier Stunden pro Woche daheim auf der Rolle, dazu zwei 75-minütige Laufeinheiten. Schwimmen geht gerade nicht, die Bäder sind überall dicht. Es gebe Übungen, bei denen man das Kraulen simulieren könne, „aber das ist natürlich nicht dasselbe“. Mit dem Winter sei dann ja vielleicht irgendwann auch das Virus Geschichte, hofft Heitkötter.

Schließlich hat sich der Mann für 2021 was vorgenommen. Ende August will der Ottmarsbocholter in Duisburg seinen ersten 70.3 Triathlon bestreiten (1,9 km/90 km/21 km), einen halben Ironman also.

Quelle: Westfälische Nachrichten / Florian Levenig