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Sa. , 19. Sept. 2020



Alle Fraktionen stellen sich Bürgerfragen

Ortsteile sehen Nachholbedarf

2020 08 20 kolpingMit Blick auf die Kommunalwahl am 13. September hat die Kolpingsfamilie Ottmarsbocholt die im Gemeinderat vertretenen Parteien und die Wählergemeinschaft zu einem Gespräch eingeladen. Alle Fraktionen sind der Einladung gefolgt. 28 interessierte Bürger fühlten am Sonntag den Parteien in der Gaststätte Lindfeld auf den Zahn.

Zu Beginn wurde resümiert, was sich in den vergangenen vier Jahren getan hat. Die Redereihenfolge wurde ausgelost, so die Pressemitteilung von Kolping.

Für die SPD berichtete Ludger Janning über die Bebauung St. Georg, die Ausschreibung der Pflegewohngemeinschaft auf den Gelände Stoffers, die neue Trauerhalle und den Radweg Venne-Ottmarsbocholt.

Thomas Hageney von der UWG wies darauf hin, dass die eigentliche Arbeit in den Ausschüssen stattfindet und der Gemeinderat diese Ergebnisse dann meist absegnet. Bedingt durch die Stimmenverteilung im Rat werde die Sicht der kleineren Parteien so manches Mal überstimmt. Bei Wohnprojekten wurden die Anwohnerinteressen erfragt und in die Umsetzung mit aufgenommen.

Die Grünen, vertreten durch Sandra Maaß, haben sich unter anderem für die Umgestaltung der Schulhöfe, die Digitalisierung an den Schulen, die Nachverdichtung in den Wohngebieten, Stever- und Dümmer-Renaturierung, die Eindämmung des Klimawandels, die Radmobilität und schotterfreie Vorgärten eingesetzt.

Sascha Weppelmann von der CDU verwies nochmals auf die große Belastung der Gemeinde in der Flüchtlingskrise. Ideen aus den anderen Fraktionen werden aufgenommen und weiterentwickelt, so Weppelmann. Schloss Senden, eine private Initiative, wie auch das ISEK Projekt werden mit staatlichen Mitteln gefördert und auch mit Zuwendungen aus dem Haushalt unterstützt. Das gilt auch für das Alte Zollhaus. Dort ist der ehrenamtliche Einsatz des Heimatvereins besonders erwähnenswert. Durch ISEK, die Umgestaltung des Ortskerns und der Hafenpromenade, ist das Erscheinungsbild von Senden aufgewertet worden. Die Umbaumaßnahme an den Umkleidekabinen in Bösensell, die Kunstrasenplätze in den Ortsteilen, Glasfaser auf dem Land, Sanierung Steverhalle, öffentliches WLAN, der Radweg Venne-Ottmarsbocholt, Wohn- und Gewerbeentwicklung und die Umgestaltung des Hörster Platzes mit Beginn im Herbst sind vorangebracht beziehungsweise ausgeführt worden.

 

Etwa 80 Prozent aller Beschlüsse im Gemeinderat werden von allen Fraktionen getragen. Darauf verwies Andreas Becker für die FDP. Er fordert ein mutigeres Herangehen an Projekte. Eine sehr gute Entwicklung für die Ortsteile wird im Einsatz des Bürgerbusses gesehen.

In der Aussprache wurde die Bürgerbeteiligung an der Leichenhalle sehr kritisch gesehen, so Kolping. Weppelmann erläuterte, dass in diese Beteiligung die Leistung des Bauhofes, Architektenleistungen und der Zuschuss von St. Georg und der Kirchengemeinde mit eingerechnet werden.

Das Großprojekt ISEK habe Senden sehr verändert. Dazu wurden erhebliche Mittel aus dem Haushalt benötigt. In den Ortsteilen tut sich wenig und das Gefühl, fallen gelassen zu werden, ist stark entwickelt, heißt es in der Mitteilung weiter. Auch die Entwicklung der Geschäftswelt in Ottmarsbocholt wir kritisch gesehen. Die dortigen Bürger haben den Eindruck, dass die Vertreter der Parteien überwiegend den Ortsteil Senden sehen.

Im zweiten Teil stellten die Parteien vor, wofür sie sich in der neuen Legislaturperiode einsetzten wollen. Auch hier wurde die Reihenfolge gelost.

Die Grünen: bessere Luft, Ökologie auch in Gewerbegebiet durch Anpflanzen von Obstbäumen, Mobilitätswende über die Ortsgrenzen, Verdichtung in den Wohngebieten, Verbesserung der Infrastruktur

SPD: Verbesserung des Nahverkehrs, Prüfung kostenloser innerörtlicher Nahverkehr, Kindergarten- und Schulsicherheit in Ottmarsbocholt, Grundversorgung vor Ort, neues Baugebiet in Ottmarsbocholt, Ansiedlung von Gewerbe auch in Ottmarsbocholt, Kirchstraße in Ottmarsbocholt.

CDU: Kirchstraße, Bebauung Stoffers, Gebührensicherheit, Erneuerbare Energie, Umweltthemen, Schulausstattung, Mobilität ÖPNV, Ortsumgehung, Radweg Nordkirchener Straße, neue Wohngebiete

UWG: Prüfung Umgehungsstraße Ottmarsbocholt, Verkehrsberuhigung, Fußgängerzone Herrenstraße, Jugendtreffs.

FDP: familiengerechte Kommune, neuer Wohnraum, Verbesserung der digitalen Infrastruktur, Jugendparlament, Seniorenpatenschaften, Wirtschaftspolitik start up, Förderung bäuerlicher Unternehmen, Klimaschutz.
Viele Themen wurden übergreifend von den Parteien genannt.

Von den Anwesenden wurde an die Politiker herangetragen, die kleinen Ortsteile nicht zu vernachlässigen und nachfolgende Themen mit in die Planung aufzunehmen.

Wichtig ist eine Verkehrsberuhigung im Ort. Die Belastung, auch durch die Umleitung bei Sperrung der Autobahn, ist für die Anwohner nicht mehr tragbar. Die Ortsumgehung wird nur aktiv von der CDU getragen. Die eventuelle Realisierung wird aber Jahre auf sich warten lassen. Es muss dringend nach Alternativen geforscht werden. Auch die Anbindung der Straße Feldmark an die Venner Straße könnte dazu beitragen. Wichtig ist auch die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs in alle Richtungen. Die Verlängerung der Route des Bürgerbusses bis zum Bahnhof Davensberg sollte ausgeleuchtet werden. Hier sollten sich die Parteien auch für den zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Richtung Dortmund einsetzten. Diese Maßnahmen könnten dazu beitragen, dass das Auto stehen gelassen werden kann.

Sehr kritisch wird auch der unbegleitete Ausgang von verurteilten Sexualstraftätern aus der Forensik Einrichtung der Alexianer gesehen. Hier muss die Sicherheit der Kinder in den Ortsteilen und Bussen ganz hohen Stellenwert haben und der Gemeinderat muss dieses Interesse gegenüber dem Betreiben der Einrichtung immer wieder einfordern.

Überrascht hat die Anlieger in Bösensell der Antrag auf Errichtung von Windkraftanlagen. Die Anlagen sollen höher werden, als alles was bislang in der Umgebung steht. Es sollte auch beachtet werden, dass durch eine solche Genehmigung die Wohngebietserweiterung eines Ortes nicht mehr möglich sein kann. Auch die in Ottmarsbocholt geplanten Windkraftanlagen werden von einem kleinen Eigentümerkreis geplant. Von diesen wird den Anwohnern so gut wie keine Auskunft erteilt bzw. Mitsprache eingeräumt. Hier können Nachbarschaften und Freundschaften auf der Strecke bleiben.

Die älteren Menschen in Ottmarsbocholt würden, wenn sie nicht mehr allein leben können, gern in eine Alteneinrichtung im Ort umziehen. Hier ist eine Ausschreibung für das Gelände Stoffers erfolgt. In dieser Zukunftseinrichtung sollte es auch einen Begegnungsbereich für alle Senioren geben.

Die Autobahnbrücke der K10 wird erneuert. Hier sollte ein Radweg mit eingeplant werden. Die Politiker sollten Klärung mit dem Bauträger herbeiführen, auch dahingehend, dass die Mehrkosten von diesem zu tragen sind. Wird der Radweg jetzt nicht realisiert, ist das eine Entscheidung für die nächsten 30 Jahre.

Dringend muss auch die bauliche Situation der Kirchstraße verbessert werden. Handlungsmöglichkeit sind der Gemeinde unmittelbar beim alten Amtshaus gegeben.

Monika Mann von der Kolpingsfamilie bedankte sich bei allen Beteiligten für die offene Aussprache. Die Veranstaltung habe wieder gezeigt, wir interessiert die Bürger seien und das das direkte Gespräch gesucht wird. Auf Worte sollten aber auch Taten folgen. Eine Wiederholung zur Hälfte der Legislaturperiode wurde in Aussicht gestellt.

Mann forderte alle auf, das demokratische Recht der Kommunalwahl in Anspruch zu nehmen. Gerade junge Menschen sollten auf dieses Recht angesprochen werden. Den Parteien wünschte sie einen fairen Wahlkampf und eine gute Wahlbeteiligung.

 

Beitrag + Foto: Kolpingsfamilie Ottmarsbocholt