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Do. , 22. Okt. 2020



Erster Ottmarsbocholter Nachkriegsbau macht Platz für neues Wohnprojekt

Wie Phoenix aus der Asche

2020 02 20 rave kHaus Davert, das ehemalige Ottmarsbocholter Krankenhaus, liegt in Schutt und Asche, ist Geschichte. Es weicht für ein Neubauprojekt des Sozialwerkes St. Georg. Doch auch ein anderes geschichtsträchtiges Ottmarsbocholter Gebäudeist in den vergangenen Tagen vom Erdboden verschwunden und soll – wie Phoenix aus der Asche – Platz für ein privates Wohnprojekt machen. Die Rede ist vom Wohnhaus Clemens-Hagemann-Straße 11. Es ist das Elternhaus von Georg Rave und das erste steinerne Haus, das nach dem Zweiten Weltkrieg in Ottmarsbocholt errichtet wurde.

Sein Vater Felix Rave schaffte es mit viel Eigenleistung, das Haus pünktlich zur Hochzeit im Jahr 1947 fertigzustellen. Doch nicht allein dieser Umstand ist etwas Besonderes.

Denn: „Die Steine stammen aus dem Bauschutt zerbombter Häuser aus Münster, die zuvor abgepickt werden mussten. Der Sand kammit dem Schiff nach Senden und wurde per Hand auf Pferdefuhrwerke umgeladen“, berichtete Klemens Rave vom Heimatverein Ottmarsbocholt. Er ist der Neffevon Felix und Helene Rave und kennt die Geschichte des Hauses aus mündlicher Überlieferung. „Unser Haus war unterkellert“, ergänzt Georg Rave. „Mein Vater hat dazu den Boden in Eigenleistung von Hand ausgehoben.

Etwas, was man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen kann.“ Der rechte Teil mit zwei tiefer liegenden Fenstern sei dann einige Jahre später als „Waschküche“ mitkleinem Stallteil – so wie damals üblich – angebaut worden. Zum Haus gehörte ein großer Garten zur Selbt-versorgung. Als die Familie wuchs, wurde zum Gartenhin der Wohnteil mit einem Anbau vergrößert. Auf dem benachbarten Grundstück (heute Heitkötter) stand damals noch ein Behelfsheim für Kriegs-flüchtlinge und Vertriebene. „Insgesamt haben dort drei oder vier Behelfsheime bis circa 1961 gestanden“, erinnert Klemens Rave an ein weiteres, für die jüngere Generation kaum mehr vor-stellbares Kapitel der Heimatgeschichte. Doch nicht nur damals, sondern auch heute ist Wohnraum knapp und heißbegehrt. Insofern schließt sich der Kreis zur Historie. Denn nach Auskunft von Georg Rave soll auf dem Grundstück an der Clemens-Hagemann-Straße 11 ein Gebäude für sechs Mietparteien entstehen.