logo 2013 11 19 standard

Do. , 21. Sept. 2017



Laden schließt nach über 160 Jahren: Abschied von „Tanta Emma“

2016 10 06 lindfeld gVermutlich war jeder Ottmarsbocholter mal im kleinen Laden am Gasthof Lindfeld oder kann sich daran erinnern, wie er in Kindheitstagen Süßigkeiten in diesem Tante-Emma-Laden kaufte. Nun ist dies Geschichte, denn dieser historische Laden wurde zum Oktober geschlossen.

Vor über 160 Jahren übernahm Familie Lindfeld dieses Lädchen, samt Gaststätte und Landwirtschaftlichem Betrieb. Damals war dieses so genannte Kolonialwarengeschäft nur einer von vielen kleinen Läden im Ortskern. Hier wurden neben selbst hergestellten Wurst- und Fleischerzeugnissen, Käse und Kaffee auch verschiedenste Süßigkeiten verkauft.

Doch seit 1853 hat sich vieles vor Ort verändert und getan. Zum einen konzentrierte sich die Inhaberfamilie Lindfeld verstärkt auf den Gasthof, zum anderen wurden andere Lebensmittelgeschäfte im Dorf immer größer.

Mit dem Laden schließt nun auch ein großes Kapitel an Erinnerungen. Erinnerungen bei Ortsansässigen, aber auch bei Hotelgästen. „Immer wieder fragen Übernachtungsgäste, ob sie einmal in den Laden reinschauen dürften und schwelgen unmittelbar in Erinnerungen“, erläutert Maria Lindfeld, auch mit ein wenig Stolz. Ihr Sohn Thomas Lindfeld ergänzt, dass der häufigste Satz der Gäste dabei „Weißt du noch?“ sei. Andere verbinden mit dem Laden eine mittlerweile traditionelle Runde Pils nach dem Karnevalsumzug, die „Wick blau“-Bonbons als Survivalpäckchen fürs Eiersammeln oder die sonntäglichen Notfalleinkäufe. Maria Lindfeld erinnert sich auch gerne daran zurück, wie sie als Kind an Wintertagen ein Hustelinchen aus dem Laden von ihren Eltern mit auf den Weg bekam, um sich nicht zu erkälten.

Dennoch traf die Familie im Frühjahr den Entschluss, den Laden aufzugeben. Zugleich ermöglicht das Ende des Ladens den Gaststätten- und Hotelbetrieb zukunftsfit zu machen. Die nächsten Monate werden dazu genutzt, eine neue Spülküche zu schaffen, die den künftigen Anforderungen entspricht. Nach Karneval folgt zudem der Umbau der Küche. Bei all den Veränderungen, die nun der Gastwirtschaft hinter den Kulissen bevorstehen, betont Maria Lindfeld „Wir sind weiterhin gerne für alle Ottmarsbocholter da!“

Dies gilt insbesondere für den Fall, wenn Mehl, Eier oder Sahne mal ausgegangen sein sollten. Nur gibt es dies künftig nicht mehr an der Ladentheke, vielmehr aber an der Theke der Gastwirtschaft.

 

Bericht + Foto: Westflälische Nachrichten/Katharina Weppelmann-Hutters