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Do. , 22. Jun. 2017



Ulrich Thomalla besiegt seit acht Jahren seinen Gehirntumor:

Wettrennen gegen den Krebs

2016 02 26 ulrich thomalla kEr rennt um sein Leben. Doch Ulrich Thomalla läuft vor dem Tumor in seinem Kopf nicht davon. Nein. Er will das bösartige Krebsgeschwür in Grund und Boden rennen. Dank seines Kampfgeistes und einer Chemotherapie gelingt das dem schon zweimal Totgesagten bereits seit acht Jahren.

Die Diagnose traf den Ottmarsbocholter Ende 2007 völlig unvorbereitet – wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Denn eigentlich schien das Leben des damals 51-Jährigen komplett in geregelten Bahnen zu laufen – sowohl privat als auch beruflich: Ulrich Thomalla lebte in einer Beziehung, arbeitete als Dozent an der Universität Münster und bereitete am Institut für Soziologie seine Habilitation vor. Beim ASV Senden trainierte er gemeinsam mit Edith Hirnstein Kinder und Jugendliche in Karate. Heute lebt der Frührentner allein und zurückgezogen.

„Von einem auf den anderen Tag hatte ich eine Aura – ich sah ein flammendes Feuerrad vor meinen Augen“, erinnert sich Ulrich Thomalla an den Tag, an dem sein gewohntes Leben aus den Fugen geriet. Vom Hausarzt wurde er sofort an die Universitätsklinik Münster überwiesen, die bei ihm einen Hirntumor diagnostizierte. In einer rund neunstündigen Operation entfernten die Chirurgen das nahezu faustgroße Krebsgeschwür, das sich unbemerkt in seinem Schädel ausgebreitet hatte. „Aber schon nach drei Monaten war der Tumor zurück. Etwa so groß wie eine Walnuss“, berichtet der Ottmarsbocholter. Daraufhin folgte im Frühjahr 2008 die zweite Gehirnoperation. Dieses Mal im Clemens-Hospital in Münster.

„Das Krebsgeschwür wurde zwar entfernt. Aber genauso wie in der Uniklinik gaben mir die Ärzte im Clemens nur noch kurze Zeit“, erzählt Ulrich Thomalla, der seit Sommer 2008 bei einer Privatklinik in Velen in Behandlung ist. „Ich mache täglich eine Chemo und bin alle sechs Wochen zur Überprüfung in der Klinik. Es sind noch Reste des Tumors da, die aber nicht weiter wachsen, weil sie durch die Chemo und das Laufen klein gehalten werden“, sagt der 59-Jährige.

Auf Empfehlung der Klinik habe er – als Teil der Krebstherapie – mit dem Laufen begonnen. „Am Anfang habe ich nur 100 Meter an einem Stück durchgehalten. Ich war durch die Krankheit geschwächt. Und Laufen mit Chemo, das ist, als würde man dauernd gegen die Steigung einer Autobahnbrücke anrennen“, beschreibt der Ottmarsbocholter den schweren Start in sein neues Lebens. Mittlerweile laufe er regelmäßig lange Strecken. „Mindestens 600 Minuten pro Woche“, nennt Ulrich Thomalla sein Therapie-Pensum.

„Auch mit einer Chemo kann man leistungsfähig sein. Dazu möchte ich den Menschen Mut machen. Langlauf fördert die Resilienz, die psychische Widerstandsfähigkeit. Das ist nicht nur ein psychosomatischer Effekt. Durch das Laufen wird die Chemie im Körper positiv angeregt. Seit 20 Jahren weiß man das bereits“, erläutert Ulrich Thomalla seine Sichtweise.

Quelle: Westfälische Nachrichten / Sigmar Syffus