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Do. , 21. Sept. 2017



Alt-Bürgermeister Alfred Holz genießt Ruhestand und bleibt aktiv

Entspannung pur ist nicht sein Ding

2015 12 30 alfred holz ruhestand16 Jahre lang war Alfred Holz als hauptamtlicher Bürgermeister Chef im Sendener Rathaus und Repräsentant der Gemeinde auf politischem Parkett. Doch auch in seinem Ruhestand ist er überaus aktiv. Das erfuhr WN-Redakteur Siegmar Syffus im Gespräch mit dem 59-jährigen Ottmarsbocholter.

Ihren letzten Arbeitstag im Rathaus hatten Sie am 20. Oktober. Was haben Sie danach zuerst gemacht ?

Alfred Holz: Meine älteste Tochter und ihr Ehemann bauen bei uns auf dem Grundstück. Damit ist auch eine gewisse Modernisierung unseres Altbaus verbunden. Daran verstärkt mitzuarbeiten war unmittelbar das, was ich in den ersten Wochen überwiegend getan habe.

Haben Sie da zu Vorschlaghammer und Spitzhacke gegriffen ?

Alfred Holz: Zum Bosch-Hammer auch, weil gleichzeitig auch neue Wasserleitungen und Heizungsrohre verlegt wurden. Dazu mussten wir einige Durchbrüche vornehmen und das bestehende Mauerwerk aufstemmen.

 

Wie lange mussten Sie auf dem Bau schuften ?

Alfred Holz: Von Oktober an waren das mehrere Wochen, zusammen mit Verwandtschaft und Familie, um den Altbau wieder komplett bewohnbar zu machen und den Neubau fertigzustellen. Daneben habe ich mehrere ehrenamtliche Termine für das Deutsche Rote Kreuz (DRK) wahrgenommen. Und wir haben für die Aktion Hoffnungsschimmer einiges vorbereitet, um den Verein rechtlich zu verselbstständigen.

Wo blieb das Privatleben ?

Alfred Holz: Im Gegensatz zu meiner Zeit als Bürgermeister ist es mir nun möglich, pünktlich zum Kegeln zu radeln. Außerdem spiele ich in einer Doppelkopf-Runde. Beides ist ein guter Freizeitausgleich, weil man sich mit Freunden und Bekannten trifft. Das ist in der Vergangenheit viel zu kurz gekommen, zumal auch die Wochenenden oft mit dienstlichen Verpflichtungen belegt waren. Jetzt kann ich auch private Termine gemeinsam mit meiner Frau wahrnehmen, ohne dass sie zum Beispiel vorfahren muss und ich nachkomme. Vieles ist entspannter und unkomplizierter geworden. Aber nur Entspannung ist nicht angesagt, das entspricht nicht meinem Typ.

Da kommt Ihnen doch sicher die anstehende Dozententätigkeit an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung in Münster entgegen?

Alfred Holz: Ja. Ich habe mich bereits mit dem Fachkoordinator ausgetauscht. In Gelsenkirchen konnte ich einen mehrtägigen methodisch-didaktischen Crash-Kurs besuchen. Zuletzt habe ich vor 16 Jahren unterrichtet. Im Laufe der Zeit hat sich so einiges verändert. Vor diesem Hintergrund wurden dort unter anderem auch Unterrichtssimulationen durchgeführt. Auch im Bereich Medieneinsatz hat sich vieles getan.

Wann starten Sie an der Fachhochschule?

Alfred Holz: Ich habe jetzt meinen Lehrplan bekommen und werde im Januar beginnen. Erst nur stundenweise, weil ich wissen möchte, ob der Funke überspringt. Das ist in Zukunft aber noch ausbaufähig.

Sie sind im Ruhestand und sprechen doch über Arbeit. Stehen denn für die Freizeit keine Aktionen an?

Alfred Holz: Doch. Ich bin zum Beispiel wieder langsam mit dem Laufen angefangen. Das habe ich so circa anderthalb Jahre vernachlässigt.

Blau-Weiß Ottmarsbocholt bietet doch ein Lauftraining an. . .

Alfred Holz ( lacht ): Ja, ja, da fange ich aber erst an, wenn ich schon ein paar mehr Kilometer gemacht habe. Ich werde mich wieder einer Laufgruppe anschließen.

Noch mal zurück zu Ihrem letzten Arbeitstag und den Wochen, die dazwischen liegen. Wie fühlt sich die jetzige, neue Daseinsform an für Sie?

Alfred Holz: Ich bin dankbar für all die Wünsche und Grüße, die ich von Privaten und Vereinen bekommen habe. Das hat mir sehr gut getan. Da merkt man: Du hast während der Zeit als Bürgermeister etwas Vernünftiges gemacht. Das hat mir den Übergang erleichtert. Doch es ist schon eine Umstellung, wenn man aus dem täglichen Rhythmus von Terminen und Sachbearbeitung herauskommt und diese Struktur nicht mehr hat. Das geht von Knall auf Fall. Nach 60, 70 Arbeitsstunden in der Woche ist es auch im Ruhestand notwendig, einen neuen Rhythmus zu finden.

Und wie sieht dieser neue Lebens-Rhythmus für Sie aus?

Alfred Holz: Wie schon gesagt: Die ehrenamtlichen Tätigkeiten werde ich weitermachen und ausbauen. Ich bin dabei, mich in die neuen Aufgaben hineinzufinden. Besonders angenehm ist, dass ich gerade am Wochenende mehr Zeit habe. Ich bin begeisterter Camper und habe seit Jahrzehnten einen Wohnwagen. Jetzt können wir schon mal ganz spontan an einem Wochenende wegfahren; das konnte ich früher vielleicht einmal im Jahr machen. In der freien Natur campen, die Fahrräder mit dabei. Das ist etwas, was ich wirklich gerne mache.

 

Interview + Foto: Siggi Syffus/WN