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Di. , 25. Apr. 2017



Bernhard Hutter auf den Spuren der Vergangenheit

Heimatforschung: Davert mit bloßen Händen urbar gemacht

2007-bernhard-hutters-heimatforschung kDrei Winter hat er sich schon mit dem Thema beschäftigt. Doch ein Ende seiner selbst gestellten Mammut-Aufgabe ist noch längst nicht abzusehen. „Meine Frau sagt schon, ich werde nie fertig." Bernhard Hutters hat sich auf eine Spur begeben, deren Quellen langsam versiegen. Er sucht nach den Namen der Ottmarsbocholter, die im Zuge der Davert-Aufteilung Land dieses einst 13828 Morgen (circa 3350 Hektar) umfassenden Gebietes aus Weide- und Waldfläche sowie Sumpf und Heide erhalten haben. Und diese Teilung liegt immerhin 166 Jahre zurück.

Wichtigste Quellen für seine mühsame Namensforschung sind alte Katasterkarten aus dem Jahr 1907, die er im Ascheberger Gemeindearchiv in Herbern einsehen konnte und teils als Kopien vorliegen hat. 20 Karten der unterschiedlichen Flurstücke von Ottmarsbocholt liegen dem Vorsitzenden des Heimatvereins inzwischen vor, anhand derer er seinem Ziel, der ordnungsgemäßen Zuordnung von Namen und Flächen, näher zu kommen hofft.

Hilfreich für ihn ist auch ein Adressbuch aus dem Jahr 1960. Darin stehen noch die alten Anschriften im Dorf – Straßenbezeichnungen gab es damals noch nicht. Diese „Blätter" und die Katasteraufzeichnungen müsse er nun übereinbekommen, sagt Hutters. Und das ist gar nicht so einfach. Haben doch im Verlauf der vergangenen zwei Jahrhunderte die Hofeigner nicht selten gewechselt, Hofnamen wechselten, die Erinnerung an die Wechsel und alten Bezeichnungen gingen über die Jahre verloren. Und: Viele der alten Häuser sind längst weg, mussten Straßen oder Neubauten weichen.

Doch Erfolge sind durchaus zu verzeichnen. So hat Bernhard Hutters herausbekommen, dass damals 167 Ottmarsbocholter von der Aufteilung der Davert profitierten und Flächen zuerkannt bekamen: 80 im Dorf, 37 in der Dorfbauerschaft, 36 in der Kreuzbauerschaft und 14 in der Oberbauerschaft.

150 Begünstigte der Landverteilung hat der Heimatforscher inzwischen zuordnen können. Einen Morgen bis vier Hektar Land wurde an sie vergeben. „Das richtete sich nach Anzahl des Viehs", weiß Hutters.

Bereits 1811 hatte es erste Vorzeichen der Aufteilung der Davert gegeben. Ein Edikt des preußischen Königs Friedrich Wilhelm vom 14. September sollte die gutsherrlichen und bäuerlichen Verhältnisse der Landschaft regulieren. Wurde doch ein Teil der Weideflächen der Davert von der Allgemeinheit als Weidefläche genutzt. Die Verhandlungen um Entschädigung für die bisherigen Grundeigentümer zogen sich über Jahre hin. Erstmals wurde die Davert genau vermessen. Das geschah bis 1830. Entwässerungsgräben wurden gezogen. Die endgültige Teilung der Davert erfolgte indes erst 1841 und wurde von der so genannten Generalkommission in Münster bestätigt.

Bernhard Hutters hat in den zurückliegenden drei Jahren nicht nur kartenmaterial studiert, um mehr über die Landverteilung zu erfahren. Der 73-Jährige hat sich auch viel mit alten Ottmarsbocholtern unterhalten, die sich noch erinnern konnten, dass ihre Eltern und Großeltern über die Davert-Teilung berichteten. Andere hätten gar nicht gewusst, dass ihre Vorfahren einst von der Teilung profitiert hätten und seien sehr überrascht gewesen, berichtet Bernhard Hutters.

Selbst in der eigenen Familie hat er Erfahrungen mit der Davert-Teilung gemacht. „Meine Mutter hat noch Land mit eigener Hand urbar gemacht", sagt der Vorsitzende des Heimatvereins.

 

Bericht u. Foto: Peter Werth