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28.07.2013

„Die Welt ein wenig heller machen“

Lukas Billermann wird Missionar auf Zeit in Paraguay

2013-lukas-billermann-mission kSich auf andere Menschen in völlig fremden Kulturen einzulassen: Das ist der Reiz, der Lukas Billermann antreibt, Missionar auf Zeit in Paraguay zu werden. Dort unterstützt der Ottmarsbocholter die Salesianer bei der Kinder- und Jugendarbeit.

Dass Lukas Billermann im Frühjahr für sein Abitur am Joseph-Haydn-Gymnasium büffeln musste, brauchte eigentlich nicht besonders erwähnt zu werden. Dazu passte es allerdings überhaupt nicht, dass er auch Spanisch paukte – denn diese Sprache war neu für ihn, und sie gehörte folglich auch gar nicht zu seinen Abiturfächern. Der Grund dafür, warum er hochmotiviert spanische Vokabeln durchkaute, ist in dem neuen Lebensabschnitt zu suchen, der nach den erfolgreichen Abiturprüfungen jetzt auf den 18-Jährigen zukommt. Anfang August fliegt Lukas Billermann ins südamerikanische Paraguay. Und dort wird spanisch gesprochen.

Es ist keine Vergnügungsreise, und ums Geldverdienen geht's auch nicht. So etwas hätte ihn in seinen persönlichen Lebensplanungen auch keinen Schritt voran gebracht. Soziale Herausforderungen mit christlichem Aspekt – das war es, was er suchte. Mittels Internet und Google wurde er schließlich bei den Hiltruper Herz-Jesu-Schwestern fündig. Die sind bekannt für ihre aufrichtige Nächstenliebe im dortigen Krankenhaus, doch auch weltweit wollen sie Not leidenden Menschen beistehen. Mit dieser Intention werden in diesem Sommer wieder sieben junge „Missionare auf Zeit" für die Dauer eines Jahres in die weite Welt entsandt, „um sie ein klein wenig heller zu machen", wie es Pfarrer Klemens Schneider am Wochenende formulierte. In den Gottesdiensten am Samstagabend und am Sonntagmorgen spendete er Lukas Billermann den Segen und wünschte ihm dabei, dass er mit Gottes Hilfe „ein barmherziger Samariter" sein könne, „der Armen und Notleidenden hilft".

Sich auf neue, besondere Erfahrungen zu freuen und sich auf andere Menschen in völlig fremden Kulturen einzulassen, das ist der Reiz, der Lukas Billermann, der vor sieben Jahren mit seinen Eltern nach Ottmarsbocholt zog und hier mittlerweile als Messdiener-Leiter kirchlich aktiv ist, antreibt. Wie sich dadurch sein Horizont erweitert, das hat er bereits in der intensiven Vorbereitungsphase seit dem Frühjahr gespürt. Deshalb ist er sich sicher: Die Entscheidung für das Projekt „Missionar auf Zeit" mit dem Leitspruch „Mitleben – Mitbeten – Mitarbeiten" ist für ihn die klar bessere Alternative zu einem herkömmlichen „Work & Travel"-Aufenthalt oder einem Aupair gewesen. Um für seine Aufgaben gewappnet zu sein, hat er unter anderem ein zweiwöchiges Praktikum in einem sozialen Brennpunkt in Essen absolviert, wo der Orden der Salesianer Kindern und Jugendlichen ein sicheres und stabiles Umfeld bieten möchte.

Mit einer ähnlichen Situation wird Lukas Billermann demnächst in Paraguay konfrontiert werden. In der Hauptstadt Asuncion will er soziale Konflikte anpacken. In einem „Don-Bosco-Haus" leben dort 50 Jungen zwischen elf und 17 Jahren, die freiwillig zu den Ordensleuten gekommen sind und von dort zur Schule gehen oder eine Ausbildung machen.„Meine Aufgabe wird die eines großen Bruders sein, also die Betreuung aller Art inklusive Hausaufgaben und Freizeitgestaltung". Nach der Schule wird dort nachmittags gerne Fußball gespielt, hat Lukas von einem seiner Vorgänger erfahren, der ihm in den vergangenen Monaten viel von seinem Erfahrungsschatz abgegeben hat.

Pfarrer Klemens Schneider wandte sich in den Gottesdiensten auch an die Eltern, bei denen der Entschluss ihres Sohnes sicherlich gemischte Gefühle hervorgerufen habe: Einerseits die Freude darüber, dass er etwas Verheißungsvolles wage. Andererseits aber auch gewisse Sorgen, „weil er so lange und so weit weg ist". Der Priester Don Bosco, mit dessen Lebensphilosophie das künftige Wirken von Lukas Billermann eng verknüpft ist, wurde 1815 in Turin geboren.

Mit totalem Engagement gab sich der italienische Ordensgründer verwahrlosten Kindern hin: Dank seines Charismas verstand er es, sie in ihrer Verzweiflung abzuholen und ihnen Hoffnung zu geben. Die anderen sechs „Missionarinnen auf Zeit" (sie sind alle weiblich), welche jetzt ebenfalls über die Hiltruper Herz-Jesu-Schwestern ausgesendet werden, sind in Chile, Peru und Indien stationiert.

Nach Auffassung von Lukas Billermann wäre es falsch, deren Tätigkeit mit der eines „Entwicklungshelfers" zu vergleichen. „Mein Anspruch liegt ganz einfach darin, Erfahrungen auszutauschen und einen Dialog zwischen den Kulturen in Gang zu bringen."

 

Bericht u. Foto: Ulrich Reismann