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Do. , 18. Okt. 2018



01.11.2011

Doppelter Abschied mit Wehmut

Pastor Ulrich Terlinden verlässt St. Urban Ottmarbocholt

2011-terlinden-abschied kMit viel Wehmut haben die Ottmarsbocholter und Venner Kirchengemeinden am Sonntag Abschied genommen von Pfarrer Ulrich Terlinden. Gerade wegen seiner „klaren Kanten", die mehrfach angesprochen wurden, hat er sich im Laufe seiner Amtszeit auch große Sympathien erworben. Und so wurde beim Empfang in der Grundschule Traurigkeit hörbar und auch sichtbar: Viele hatten mit den Tränen zu kämpfen.

Wer dies als Außenstehender beobachten konnte, war Raphael van der Poel als Vorsitzender der Seelsorgeeinheit St.Laurentius Senden und Bösensell St. Johannes. An Pfarrer Terlinden gewandt, betonte er: „In dem Bedauern und der Betroffenheit kommt jene Wertschätzung zum Ausdruck, die Sie sich erarbeitet haben."

Sicherlich sei es nicht so, dass sich Ulrich Terlinden nur Freunde gemacht habe, stellte Daniel Köbbing, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes St. Urban, klar. Aber das könne ja auch überhaupt nicht erstrebenswert sein. Auch er habe vor fünf Jahren dem neuen Pastor nach den ersten Gottesdiensten zunächst sehr skeptisch gegenübergestanden - und wollte sein Amt als Firmkatechet bereits hinschmeißen. Dann handelte er jedoch nach der Devise „Jetzt erst recht" und machte weiter. Und darüber sei er froh. Denn erst so konnte er Terlinden „richtig" kennen lernen. Dieser wisse, was er wolle, sei gleichzeitig aber auch Argumenten zugänglich. Er hatte zwar ein Händchen dafür, „Schlagzeilen in der örtlichen Gerüchte-Küche zu machen". Terlinden habe den Menschen aber auch gezeigt, „wie man als überzeugter Christ leben kann, ohne dabei den Blick für die Realität und den Spaß am Leben zu verlieren".

Nach den Worten vom Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Jörg Heinrichs haben viele junge Menschen die von Pfarrer Terlinden gelegten Fährten aufgenommen, „weil du es mit Ihnen immer ernst gemeint hast". Was er in der Kinder- und Jugendarbeit geleistet habe, „wird für unsere Zukunft noch von Bedeutung sein". Für die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirchengemeinde erklärte Helene Hülsmeier, dass es mit dem „Chef" zwar nicht immer leicht gewesen sei, „trotzdem werden wir ihre klaren Kanten vermissen, weil sie uns Halt gegeben haben". Geradlinigkeit und Loyalität habe man zu schätzen gewusst.

Auch Pfarrer Terlinden ging abschließend selbstkritisch auf seine „klaren Kanten" ein. Die „Beulen", die sie Anderen zugeführt hätten, täten auch ihm weh. „Ich habe manchen Konflikt riskiert", obwohl auch er - wie alle Priester - von Natur aus „harmoniebedürftig" sei. Im Gottesdienst hatte der Seelsorger zuvor all diejenigen um Verzeihung gebeten, „die ich genervt und enttäuscht habe".

 

Bericht + Foto: Ulrich Reismann