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Di. , 21. Nov. 2017


Post in Ottmarsbocholt - seit 1841

150-jahre-post kAuf der Suche nach Unterlagen über die Post in Ottmarsbocholt wurden wir von der Schriftleitung der Postgeschichtsblätter ,,Postgeschichte in Westfalen", Herrn Wilh. J. Fleitmann, freundlicherweise auf das Heft 2/87 dieser Schriftenreihe hingewiesen.
Im Zuge der Nachforschungen zur Geschichte der Post in Ascheberg kamen auch für Ottmarsbocholt wichtige Daten zu Tage, die wir hiermit wiedergeben wollen.
Hierin findet sich praktisch der Abdruck der „Geburtsurkunde" der Post in Ottmarsbocholt.
Das Ober-Post-Amt, Herr Gerike, macht unter dem Datum 29. 11. 1841 am Donnerstag, dem 2. December 1841 im ,,Münsterischen Intelligenzblatt" Nr. 144 bekannt:

,,1. Mit dem 1. k. Mon. kommt zwischen Lüdinghausen und Herbern eine 3 mal wöchentliche Boten-Post in Gang, welche Sonntag, Dienstag und Freitag aus Lüdinghausen des Morgens um 5 Uhr über Nordkirchen und Capelle nach Herbern, und aus Herbern des Morgens um 10 Uhr über Ascheberg und Ottmarsbocholt nach Lüdinghausen abgesendet wird.
In Ascheberg und Ottmarsbocholt treten Brief-Sammlungen in Wirksamkeit, deren Verwaltung, respkt. dem Beigeordneten Herrn Breymann und dem Schenkwirth Herrn Schick übertragen ist.

Münster, den 29. November 1841"


Heutzutage wird der Begriff der „früheren Post" fast immer mit dem hörnerblasenden Postillion auf seinem Kutschbock durch die Lande fliegend, ,,hoch auf dem gelben Wagen", in Verbindung gebracht.
Weit weniger romantisch und sehr viel nüchterner war damals die Wirklichkeit. So wie die ganz frühen Nachrichtenübermittler laufende oder reitende Boten waren, so bediente man sich auch bei der frühen organisierten Briefbeförderung der Boten. Es waren vornehmlich in unserem ländlichen Raum die Fußboten, die von Dorf zu Dorf und in unserem Bereich nach Münster liefen und Briefe, Pakete und andere Güter transportierten.

Reitende oder fahrende Post verkehrte nur auf den Hauptstrecken zwischen Städten, die von politischer oder wirtschaftlicher Wichtigkeit waren, so z.B. auf der alten Kölner Straße zwischen Münster und Köln über Werne und Dortmund.
Auch Lüdinghausen wurde derzeit nur per Fußpost bedient. Die Fußboten standen in Diensten von Städten, Ämtern, Kirchspielen, Adelshäusern oder geistlichen Einrichtungen. Sie kamen in der Regel einmal in der Woche nach Münster und bezogen dort in öffentlich bekannten Häusern Quartier. Dort verteilten sie dann die Briefe oder lieferten sie bei der weiterführenden Post ab und sammelten dort auch entsprechende Dinge für ihren Heimweg Briefe, Pakete u.a. Dann machten sie sich an dem öffentlich bekannten Tage wieder auf den Weg über die festgelegte Route.

Im „Münsterischen Almanach" sind ab 1751 alljährlich die nach Münster kommenden Fußboten mit ihren Quartieren und An- und Abgangstagen aufgeführt. So heißt es da im Jahr 1777: „Ascheberger Bothe logiert an Homans auf der Rothenburg, kommt an Freytag Abend, gehet ab Samstag Mittags".

Sehr häufig, besonders im Frühjahr und Herbst, waren die Fußwege kaum passierbar. Man kann sich leicht vorstellen, wie mühsam die „Fueßklöpfer", so der Reichspostverwalter im Jahre 1652, mit ihrer Post durch die Landschaft stapften. Malt man sich die von Regen durchweichten Wege und den peitschenden Sturm dazu aus, verliert dieses Bild viel von der alten Postkutschenromantik.

So wird vermutlich auch unser Dorf in der damaligen Zeit versorgt worden sein. Nach Angaben des Münsterischen Almanachs war der Nordkirchener Bote schon in den Jahren 1779, 1793 und 1798 für die Beförderung der Briefe nach und von Ottmarsbocholt zuständig. Somit nimmt Ottmarsbocholt nachweislich bereits seit mehr als 210 Jahren am großen Weltgeschehen teil.
Im Jahre 1841 schrieb nun der Ascheberger Bürgermeister an den Landrat, die 6688 Einwohner der Gemeinde Ascheberg, Nord- und Südkirchen, Ottmarsbocholt und Venne seien von „allem Postverkehr völlig ausgeschlossen". Damit war vermutlich die regelmäßige postmäßige Versorgung gemeint.

Daraufhin schlug der Landrat vor, in Ascheberg und Ottmarsbocholt je eine Postexpedition einzurichten. Für Ottmarsbocholt werden zu dieser Zeit 247 Häuser mit 1468 Einwohnern, 2 Kaufleuten und 16 Krämern angegeben. Diese Eingabe hatte Erfolg, und im Jahre 1841 erhielt Ottmarsbocholt eine Briefsammelstelle beim Schenkwirt Schick. Außerdem wurde eine Fußbotenpost zwischen Lüdinghausen und Herbern über Ottmarsbocholt eingerichtet. Diese Post verkehrte dreimal wöchentlich. So gibt es eine nachweisliche Poststelle in Ottmarsbocholt seit nunmehr über 170 Jahren.

Ab Juli 1844, also drei Jahre später, verkehrte diese Botenpost Lüdinghausen - Herbern und umgekehrt schon täglich.
Im Herbst 1850 wurde diese täglich verkehrende Botenpost zwischen Ascheberg und Herbern durch eine Kariolpost, einem einspännigen zweiräderigen Postwagen, der notfalls ein bis zwei Personen mitnehmen konnte, ersetzt, sowie durch eine Botenpost zwischen Ascheberg und Ottmarsbocholt.
Telefonische Verbindungen waren seit 1906 von Ottmarsbocholt über Davensberg nach Ascheberg möglich.

Am 1. Januar 1925 schlug die Oberpostdirektion Dortmund der OPD Münster die Einrichtung einer Postomnibuslinie Dortmund-Münster vor. Sie sollte folgenden Weg nehmen: Dortmund - Lünen - Cappenberg - Südkirchen - Nordkirchen - Ascheberg - Davensberg - Ottmarsbocholt -Amelsbüren - Hiltrup - Münster. Diese Linie nahm am 8. Juni 1928 ihren Betrieb auf.
Wegen eines Streites um Einnahmeausfall zwischen der Reichsbahndirektion und der Oberpostdirektion fuhren die Postomnibusse seit dem 1. Juli 1926 nur noch zwischen Ottmarsbocholt und Münster mit zwei Fahrtenpaaren, weil Ottmarsbocholt ja bis heute noch keinen Eisenbahn-Anschluss hat.

Auf der Suche nach weiteren Unterlagen über die Post in Ottmarsbocholt wurden wir im Archiv der Gemeinde Senden fündig. Dort werden die alten Unterlagen der Gemeinde und des Amtes Ottmarsbocholt aufbewahrt, die uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden.

Unter dem damaligen Aspekt ist sicherlich die dreifache Tätigkeit der Post zu sehen, nämlich Briefe und Pakete befördern, Telefonverbindungen herzustellen und auch Personen zu befördern.
Aus dem Jahre 1916 stammen hier unsere ersten Quellen: 

Im Februar 1916 beschwert sich die Gemeinde Ottmarsbocholt bei der Kaiserlichen Oberpostdirektion in Münster: „Die Telegrafenverwaltung hat an der Chausseestrecke Ottmarsbocholt-Oberbauerschaft die dort stehenden Obstbäume zwecks Freistellung der Leitungen beschneiden lassen. Wie aus dem beigefügten Gutachten des Gärtners und Baumschulenbesitzers Georg Sennekamp von hier hervorgeht, ist beim Ausschneiden keinerlei Rücksicht genommen worden, ohne jede Sachkenntnis sind die Bäume heckenförmig beschnitten, und ist dadurch die von dem Provinzial-Obstbauverband für Westfalen und Lippe als mustergültig bezeichnete Obstbaumanlage auf Jahre hinaus geschädigt."
Wie weiter hieraus ersichtlich, hatte man seitens der Telegrafenverwaltung die Bäume beschnitten, ohne dem Besitzer, in diesem Fall der Gemeinde, eine angemessene Frist zu setzen, um diese Arbeiten selbst vorzunehmen. Dazu wäre sie nämlich nach § 4 des Telegrafengesetzes vom 18. Dezember 1899 verpflichtet gewesen. Neben dem Gutachten verlangt die Gemeinde eine Entschädigung von mindestens 100 Mark. Deshalb bittet der Beigeordnete Niehues mit Schreiben vom 20. 02. 1916 „um gefällige Mitteilung, ob die Reichstelegrafenverwaltung mit der Zahlung dieser Entschädigung an die Gemeinde einverstanden ist."
Diese Art zur Zahlungsaufforderung muss wohl Wirkung gezeigt haben, denn mit Schreiben vom 04. 04. 1916 teilt der Beigeordnete Niehues dem königlichen Oberpostinspektor Wobieg in Münster mit, dass er „die fragliche Angelegenheit unter Bezugnahme auf Ihre Rücksprache auf dem Amte Senden der Gemeindevertretung zur Entscheidung vorlegen werde".
Auf der Gemeindevertretungssitzung vom 17. 05. 1916 wird beschlossen, dass die Angelegenheit als erledigt angesehen wird, „wenn die Telegrafenverwaltung die Kosten des Nachschneidens der Bäume durch unsere Wegewärter übernimmt."
Es folgt die Empfehlung, die „Leitungsstangen" beim Auswechseln doch auf die Straßenseite zu verlegen, auf der keine Obstbäume stehen.
Man sieht, konstruktive Kritik aus Ottmarsbocholt ist seit langem üblich.

Dass man hier über helle Augen und Ohren verfügt, belegt auch ein Schreiben vom 05. 03. 1917 an die Kaiserliche Oberpostdirektion in Münster: „Wie hier verlautet, soll beabsichtigt sein, bis zur Inbetriebnahme der Vollbahn Münster - Dortmund die Post für Ascheberg und Davensberg durch die auf dieser Strecke bereits verkehrende Kleinbahn befördern zu lassen. Falls dieses zutrifft, bitte ich erwägen zu wollen, ob es nicht möglich ist, auch die Post für Ottmarsbocholt statt über Senden auf diesem Wege zu erhalten. Der Postverkehr zwischen Ottmarsbocholt und Senden könnte dann fortfallen. Die Post könnte zur näher gelegenen Bahnhaltestelle Davensberg fahren und von dort neben der Post für Ottmarsbocholt diejenige für Davensberg bis zur Postagentur Davensberg übernehmen".
Per Schreiben vom 20. 04. 1917 teilt die Kaiserliche Postagentur in Ottmarsbocholt, Bette, der Gemeinde Ottmarsbocholt mit, „dass nach Verfügung der Kaiserlichen Oberpostdirektion in Münster vom 17. d. Mts. das Privatpostfuhrwerk Ottmarsbocholt - Senden vom 1. Mai d. J. ab zwischen Ottmarsbocholt - Davensberg zum Anschluss der Kleinbahn Davensberg - Rinkerode usw. verkehren wird."
Dieses hat den Ottmarsbocholter Gemeindevätern aber nicht genügt, man wollte, wie aus den Akten ersichtlich, eine umfassende Versorgung und deshalb wurde Herr Bracht bei der Oberpostdirektion in Münster vorstellig. Es ging um Post- und Personenbeförderung. Daraufhin schreibt die Kaiserliche Oberpostdirektion am 22. Mai 1917: „Die für den Ort Ottmarsbocholt seit dem 1. Mai bestehende 3malig Verbindung mit Davensberg - 2malig Fuhrverbindung (morgens und mittags) und ei-ne Botenpost (abends) reicht für den Postverkehr der Postagentur Ottmarsbocholt vollkommen aus, zumal vor dem l. Mai überhaupt nur eine 2malig Verbindung zwischen Ottmarsbocholt und Senden (Westf.) bzw. Appelhülsen bestanden hat. ...Zur Beförderung der in Ottmarsbocholt nachmittags aufkommenden Briefsendungen nach Davensberg genügt eine Botenpost vollkommen...".

post-1920 kSo einfach geht es doch nicht, man sammelte nun Argumente, dass das zweimal täglich zu den Zügen morgens 6.50 Uhr und mittags 12.10 Uhr nach Davensberg fahrende Privat-Personenpostfuhrwerk der Wwe. Lindfeld auch zu dem Zug abends 5.10 Uhr die Botenpost ersetzen sollte.
„Obgleich in dieser Kriegszeit auf möglichste Einschränkung Bedacht zu nehmen bleibt, so ist es doch nicht zum Nachteil der Vaterländischen oder Wirtschaftlichen Interessen beabsichtigt.
.... im Interesse der Vaterländischen und Wirtschaftlichen Lage. Dem mit dem Abendzug an der Haltestelle Davensberg ankommendem Publikum, insbesondere Frauen, kann man nicht zumuten, allein die Strecke nach hier zurückzulegen."
Nachdem die Gemeindevertretung hierzu im Juni 1917 Vertagung beschlossen hat, soll nach Beschluss vom 14. 11. die Oberpostdirektion nochmals gebeten werden, das Fuhrwerk abends statt mittags fahren zu lassen und dafür zu sorgen, dass ,,im geschlossenen Ort die Bestellung der Pakete noch abends erfolgt bzw. eine Abholung erfolgen kann".
In der Antwort vom 23. November 1917 schreibt die Post sinngemäß, dass sich nichts geändert hat „und zur Befriedigung des Wunsches der Eingesessenen von Ottmarsbocholt anheimstellt, den Fuhrunternehmer durch Zahlung eines Zuschusses aus Gemeindemitteln zu einer dritten Fahrt zu veranlassen". Schon damals beherrschten die Mittel die Wege. Auf eine sofortige Antwort vom 26. 11. antwortete die Kaiserliche Oberpostdirektion am 01. 12. 1917: ,,... Sollte nach dem Zustandekommen einer 3. Fahrt die Gemeinde mit der Beförderung eines Briefbeutels von Ottmarsbocholt nach Davensberg durch den Kutscher des Fuhrwerks gegen eine angemessene Vergütung einverstanden sein, so sieht die Oberpostdirektion hierüber g. F. einer gefl. Mitteilung entgegen".
Am 12. November 1918 wird im Postamt Senden der Plan für eine oberirdische Telegrafenlinie ausgelegt, abzweigend von der Stange 83 der vorhandenen Linie an der Straße Senden-Ottmarsbocholt entlang des Interessentenweges Ottmarsbocholt nach Venne bis zum Gehöft Höwische am Rinnbach. Von dort kann man also auch schon 73 Jahre lang telefonieren.

Im Januar 1920 befasst sich der Kreisausschuss in Lüdinghausen mit der Errichtung von verschiedenen Postbuslinien. Hier heißt es: „Für die Linie Lüdinghausen - Ottmarsbocholt - Senden hat der Kreisausschuss erhebliches Interesse, doch soll sie von Senden nicht in Bösensell oder Münster, sondern in Appelhülsen enden". Die Kosten sollten auf die Gemeinden umgelegt werden. Dem stimmt unsere Gemeindevertretung nicht so einfach zu, auf ihrer Sitzung am 2. Februar 1920 will sie erst entscheiden, „wenn
1. die Linienführung Lüdinghausen - Senden usw. definitiv feststeht,
2. der genaue Zeitpunkt der Verkehrszeit und der Wege angegeben werden könnte, denn die Gemeinde habe ein wesentliches Interesse, Lüdinghausen als Amtsgerichtssitz und Landratsamtssitz zu entsprechender Zeit in den Vormittagsstunden zu erreichen..."
Dass das nicht so einfach geht, sondern zunächst die Zusage einer evtl. Beteiligung erforderlich ist, erfährt der Ehrenamtmann zu Ottmarsbocholt per Schreiben vom 07. 02. 1920 vom Landrat Graf zu Westphalen. Daraufhin winkt die Amts Vertretung in der Sitzung vom 13. 02. 1920 „mit Rücksicht auf die augenblickliche missliche Lage auf finanziellem Gebiet" ab. Es gibt eben Argumente, die bis in die heutige Zeit geläufig sind.
Am 01. 02. 1921 schreibt der Ehrenamtmann Bracht an das Postamt in Ascheberg, dass die Bewohner der Venne die Postzustellung von Ottmarsbocholt wünschen, da immer schon eine rege Beziehung nach Ottmarsbocholt bestanden habe. Zudem sei der Weg Venne - Senden 5 km, der Weg Venne - Ottmarsbocholt nur 3,5 km lang, also 1,5 km kürzer. Man könnte in der Wirtschaft Prinz eine Posthilfsstelle einrichten. Es folgt in den Akten der knappe Vermerk vom 11. 07. 1921: „nach mündlichem Bescheid des Postamtes Ascheberg abgelehnt".
Irgendwie scheint es dann aber mit der Kraftpostverbindung doch geklappt zu haben, denn am 31. 07. 1925 schreibt der Ehrenamtmann Schulte-Vorwick an die Oberpostdirektion Dortmund „erwägen zu wollen, ob nicht eine Verbilligung des Fahrpreises für die Kraftpostverbindung Münster - Dortmund möglich erscheint, da hierdurch m. E. eine größere Fahrtteilnehmerzahl und weiterhin eine Hebung der Rentabilität erwachsen dürfte." Zu diesem Thema „lädt er sämtliche Gemeindeeingesessene auf heute Mittag gleich nach dem Hochamte zu dieser Besprechung in die Wirtschaft Vollmer ergebenst ein". Bekanntgemacht 02. 08. 1925, Grube, also durch Ausruf.
Ab 15. 08. 1925 gibt es wohl einen neuen Fahrplan lt. Oberpostdirektion, aber eine Herabsetzung des Fahrpreises (10 Pfennig für einen Kilometer) „ist zur Zeit leider nicht möglich". So kostete die Fahrt von Ottmarsbocholt nach Münster Hbf. damals 2,10 Mark, nach Dortmund Hbf. damals 4,50 Mark.
Wie aus einem Zeitungsbericht der „Lüdinghauser Zeitung" vom 24.09.1925 hervorgeht, konnte die Anbindung Ottmarsbocholt an die Linie der Verkehrsgesellschaft des Kreises Lüdinghausen bisher nicht erfolgen, weil die Gemeinde mit einer Schuldenlast von 60.000 Mark nicht in der Lage war, sich mit 10.000 Mark an der Verkehrslinie Lüdinghausen - Senden - Bösensell zu beteiligen.

Dass die Verkehrsgesellschaft somit quasi als herzlos dahingestellt wird, stößt ihr sauer auf und sie verweist im Schreiben vom 20. 10. 1925 darauf, dass ihre Autobusse an dem bekannten Gabelpunkt der Straße Lüdinghausen - Senden, Abzweigung Ottmarsbocholt, bisher stets gehalten haben. Damit scheint auch die Ost-West-Anbindung geklappt zu haben.
Im Oktober 1926 schlägt die Oberpostdirektion der Gemeinde vor, die Streckenführung bis Lüdinghausen zu verlängern und dieses offiziell zu beantragen. Dieser Antrag wird mit Freude am 09. 11. 1926 gestellt, zumal auch noch eine Herabsetzung des Fahrpreises von 10 auf 8 Pfennig für l km in Aussicht gestellt wird.
Der postalische Fernsprechanschluss auf dem Gehöft des Landwirts Jungmann erreichte im Jahre 1991 das rentenfähige Alter, 1926 wurde er nach den alten Postakten per Draht an das Telefonnetz der weiten Welt angeschlossen.
Es ist festzustellen, dass häufig von der Gemeinde in diesen Jahren an übergeordnete Stellen Vorschläge in Schreiben gemacht werden, die beginnen mit ,,Es geht hier das Gerücht um, ..." oder „Aus einem Zeitungsartikel haben wir ersehen5' oder so ähnlich. So beginnt das Schreiben vom 31. 05. 1927 an das Postamt Münster 2 mit „Wie ich in Erfahrung gebracht habe, ...". Man sieht, es kann nicht schaden, wachen Sinnes durch die Welt zu gehen und selbst tätig zu werden, als erst auf die Tätigkeit anderer zu reagieren. Schleppende und spärliche Information ist auch heute noch ein verbreitetes Übel und bei vielen auch ein böser Trick.
Aber was hat er denn in Erfahrung gebracht? Nun, dass die Kraftpost ab 15. Juni 1927 über Senden geführt werden soll. Und da man dann sowieso neue Fahrpläne drucken lassen müsse, schlägt der Ehrenamtmann von Ottmarsbocholt vor, wegen der wenigen verbleibenden Zeit in Münster, 9.00 Uhr an und 13.00 Uhr zurück, eine dreimalige Verbindung einzurichten.
Außer der Möglichkeit, mit dem Postbus die Grenzen der Gemeinde zu überschreiten, öffnet sich in 1928 noch eine andere Perspektive, sie sei der Vollständigkeit halber in diesen Postrückblick mit einbezogen. Zu einer Sitzung am 19. Mai 1928, vormittags 8.00 Uhr, in der Amtsklause lädt der Amtsvorsteher die Herren

Vollmer, Gemeindevorsteher
Osthues, Bauerschaftsvorsteher
Stünke, Bauerschaftsvorsteher
Baumeister, Bauerschaftsvorsteher
Kasberg, Franz Mühlenbesitzer
Kovermann, Wilh. Stielfabrikant
Potthoff, Wilh. Schreinermeister
Höwische, Anton Genossenschaftsvorsteher

ein. Es geht um die Kleinbahn Ascheberg - Coesfeld, die bereits 1910 geplant war. Die Linienführung soll von Ascheberg über Ottmarsbocholt, Senden, Appelhülsen und Rorup nach Coesfeld gehen.
Am 2. Mai schreibt man dem Landrat, dass an der Weiterverfolgung des Planes seitens der Bevölkerung lebhaftes Interesse besteht, aber - jetzt folgt ein typisch Ottmarsbocholter Vorschlag „vorteilhaft und wünschenswert erscheint es weiterhin, die Linie über Davensberg hinaus weiter nach Rinkerode zu führen, um eine Verbindung zur Bahnlinie Hamm - Münster herzustellen und somit ein Gebiet aufgeschlossen wird, das mit seinen reichen Holzbeständen den Güterverkehr nicht unwesentlich heben dürfte".
Am 17. 10. 1928 erhält Heinrich Schwertheim aus Ascheberg die Genehmigung zur Inbetriebnahme einer Autobuslinie Ottmarsbocholt - Davensberg - Bahnhof Davensberg - Ascheberg - Ascheberg Bahnhof. Hiergegen regt sich Widerstand aus der Bevölkerung, vom Handwerkerbund und dem Bauernbund ermuntert, weil der Hauptverwaltungsort Lüdinghausen schlecht zu erreichen ist. Man sieht, auch dieses Thema ist nicht mehr neu.
Am 28. 12. 1928 erhält die Verkehrsgesellschaft des Kreises Lüdinghausen eine vorläufige Genehmigung zur Inbetriebnahme einer Autobuslinie von Lüdinghausen über Ottmarsbocholt, Bahnhof Davensberg nach Ascheberg. ,,Schwertheim stellt den Betrieb der Linie Ottmarsbocholt -Davensberg - Ascheberg mit dem 31. d. Mts. ein".
Am 5. Februar 1929 bemängelt der Ehrenbürgermeister Schulte-Vorwick in einem Schreiben ,,An die Postanstalt Hier", dass die Einwurföffnung des Briefkastens zu klein ist und wenn man die Post am Schalter abgeben will, dieser schon geschlossen ist, die Schalterstunden enden 11 Uhr bzw. 16.30 Uhr. Hier kann man erkennen, dass die Öffnungszeiten auch schon früher zu Schwierigkeiten geführt haben, womit allerdings nicht gesagt werden soll, dass für die Schalteröffnungszeiten seit 1929 noch immer der gleiche Dienstplan gilt.
Weiter führt Schulte-Vorwick aus, und da ist es wieder: „Wie ich vom Hörensagen in Erfahrung gebracht habe, soll es Unbefugten ziemlich leicht sein, Postsachen aus dem Briefkasten wieder herauszunehmen". Dieser beanstandete Kasten kann heute allerdings nicht mehr besichtigt werden, denn am 15. 03. 1929 ist die Beseitigung des obigen Übelstandes durch Anbringung eines Einwurfbriefkastens (Einwurf draußen, Kasten im Postzimmer) laut Erledigungsvermerk erfolgt. Und diesen Einwurfbriefkasten kann man heute meines Erachtens noch am Hause Bette sehen.
Viele Jahre geht es nun um Zuschüsse zu den Omnibussen der Kreisverkehrsgesellschaft und deren Linienführung.
Am 14. 05. 1941 taucht wieder ein Schreiben des Amtsbürgermeisters an die Reichspostdirektion in Münster auf. Hierin ist angeführt, dass seit längeren Jahren Herr Anton Koch, Davensberg, eine Autobuslinie von Ottmarsbocholt nach Münster unterhielt, die nun seit dem l. April des Jahres ruht. Anton Koch hatte zunächst mit einem Lastwagen dreimal wöchentlich seit 6. Juni 1936 die Strecke Davensberg, Ottmarsbocholt, Münster und umgekehrt befahren und dabei für etwa 48 ländliche Gewerbetreibende Waren von und nach Münster befördert und auch Personen mitgenommen. Dann hatte er sich einen Autobus gekauft für die Personen und einen Anhänger daran gehängt für die Waren, „kurzum, er regelt den Warenverkehr zwischen Münster und Ottmarsbocholt ausschließlich".
Alle befürwortende Schreiben halfen nicht, die Zulassung war abgelaufen und wurde nicht verlängert. Deshalb bittet der Amtsbürgermeister „erwägen zu wollen ob es nicht möglich ist, das Postauto auf der Linie Münster - Senden vorläufig an drei Tagen der Woche bis Ottmarsbocholt durchlaufen zu lassen". Offensichtlich war man hier zweigleisig gefahren, denn mit Datum 14. 05. 1941 schreibt der Präsident der Reichspostdirektion „dass er bereit und ohne weiteres in der Lage ist, die Weiterleitung bis Ottmarsbocholt zu übernehmen". Nach einem Vermerk vom 26. 05. 1941 scheint daraus aber nichts mehr zu werden. Die Post hatte zugesagt, um landesbehördliche Genehmigung war nachgesucht, aber beim anschließenden Besuch der Herren aus Ottmarsbocholt bei der Regierung „stand man dem Plan ablehnend gegenüber".
Über Postbusse ist nun längere Zeit nichts mehr in den Unterlagen zu finden. Eine erwähnenswerte Begebenheit sei deshalb hier angeführt: Mit Schreiben vom 09. 02. 1946 teilt der Amtsbürgermeister dem Theodor Geiping, Dorf 37, mit, dass keine Bedenken gegen die Durchführung von Personenfahrten an die Bahnhöfe Davensberg und Ascheberg bestehen. Er möge aber eine Anmeldung zur Berufsgenossenschaft vornehmen und „den genauen Fahrplan unverzüglich mitteilen". Hierbei ist aber zu beachten, dass, wie Geiping am 17. 12. 1945 schreibt, die Fahrten mit Pferd und Wagen ausgeführt wurden.
Mit Schreiben vom 17. 05. 1945 schildert der Amtmann von Ottmarsbocholt der Oberpostdirektion in Münster, dass es dringend erforderlich ist, eine Autobuslinie Ottmarsbocholt - Münster einzurichten, da täglich 30 bis 40 werktätige Personen dorthin müssen. Seit Monaten verkehre bereits ein Autobus von Münster bis zur Venner Brücke. Da die Venner Brücke ihrer Vollendung entgegengeht, dürfte sich die Gelegenheit bieten, die Linie bis Ottmarsbocholt zu verlängern. Dieses ist aber laut Schreiben der Oberpostdirektion wegen „fehlender Betriebsmittel" nicht möglich, so weist es auch noch das Protokoll der Gemeindevertreter von Ottmarsbocholt vom 3. September 1948 aus. Am 30. August 1949 ist vermerkt, „die Reichspost hat inzwischen in zufriedenstellender Weise den Verkehr aufgenommen".
Mit Schreiben vom 28. Juli 1960 des Postamtes 2 in Münster an die Amtsverwaltung Ottmarsbocholt ist das Zusammenspiel von Personen-und Briefbeförderung bei der Post zu erkennen. „Zur Verbesserung des Postaustausches an dem neuen in Kürze zu beziehenden Postgebäude, beabsichtigen wir aus Rationalisierungsgründen hinter unsere Kraftomnibusse an Werktagen einen leichten Einachsanhänger zwischen Münster und Ottmarsbocholt zu führen".
Also, die Briefe kommen schneller und der Umzug in die neue Post steht bevor (Neustr. 11).
Und daran hat sich bis heute offensichtlich nicht viel verändert, bis auf jenen spektakulären Raubüberfall auf ,,Tante Emmi", der die Post in Ottmarsbocholt bundesweit bekannt machte.
Bei unserem Rückblick auf 150 Jahre Post in Ottmarsbocholt wollen wir auch noch kurz näher auf die Post per Draht, das Telefon, eingehen.
Auch 1931 gab es in Ottmarsbocholt schon das Thema „Verkabelung". So schreibt die „Lüdinghauser Zeitung" am 31. 05. 1931: „Der Plan über die Verlegung von Fernsprechkabeln in der Kreisstraße Senden -Ottmarsbocholt und in Ottmarsbocholt liegt beim Postamt Senden (Westf.) und bei der Postagentur Ottmarsbocholt von heute ab 4 Wochen aus". Auf dem Schreiben des Telegraphenbauamtes Recklinghausen, mit dem der Plan übersandt wurde, hat der Ehrenbürgermeister Schulte-Vorwick für den Gemeindevorsteher Vollmer vermerkt: „Einwendungen dürften m. E. nicht zu machen sein". Das Kabel wurde laut Plan verlegt, ab Senden bis zum Pastorat, wo es dann in zwei Ästen, einmal bis Krankenhaus, einmal bis F. Kasberg, endete.
Offensichtlich hatte man damals auch schon gelegentlich Schwierigkeiten, mit den Postöffnungszeiten klar zu kommen. „Mit Rücksicht auf den beschränkten Dienst der hiesigen Postagentur" beantragte in der Sitzung der Gemeindevertretung von Ottmarsbocholt vom 5. April 1933 der Kaufmann Viktor Füßner, Dorf 81, in seinem Haus in einem besonderen Zimmer eine öffentliche Fernsprechstelle einzurichten. Laut Mitteilung vom 26. 04. 1933 hat die Oberpostdirektion Münster wegen der unmittelbaren Nähe der Postagentur aber die Genehmigung versagt. Nach dem Errichten einer öffentlichen Fernsprechstelle bei dem Wirt Heinrich Prinz in der Venne im Juli 1933 beschwert sich die Post 1935, dass der öffentliche Apparat ungünstig in der Gaststube angebracht sei und er deshalb umzulegen wäre.
„Wie uns bekannt geworden ist, ..."; gegen die Verlegung des Fernsprechanschlusses des Lehrers Kasberg, Ascheberger Straße 261 (Oberbauerschaft), protestieren Bürgermeister und Amtmann am 03. 07. 1947 beim Postamt Lüdinghausen, da der Anschluss zum größten Teil von 20 Gehöften und 25 Familien benutzt wird.
Der Errichtung einer öffentlichen Sprechstelle bei Heinrich Weitkamp, Oberbauerschaft, Anschluss Nr. 148, stimmt die Gemeindevertretung laut Protokollbuch vom 20. September 1954 zu.
Am 23. 11. 1954 beschwert sich der Amtsdirektor bei der Oberpostdirektion Münster, dass mit Einführung des Winterfahrplanes die Post von Münster erst um 9.10 Uhr in Ottmarsbocholt eintrifft. Da die Zeit zur Bearbeitung von Terminsachen zu knapp sei, ist die Post am 29. 01. 1955 „jetzt bereits jeden Morgen um 7.45 Uhr in Ottmarsbocholt, abholbereit sind die Eingänge um kurz nach 8.00 Uhr".
Am 31. 07. 1956 teilt das Fernmeldeamt Münster der Amtsverwaltung Senden mit, dass die bisher gemeindliche öffentliche Sprechstelle in eine Post-öffentliche Sprechstelle umgewandelt wird. Der Amtsdirektor bittet mit Schreiben vom 30. 09. 1957, dass für die gemeindlich öffentliche Fernsprechstelle Heinrich Weitkamp ein Gebührenzähler angebracht wird. Mit Schreiben vom 20. 01. 1959 kündigt das Fernmeldeamt die gemeindliche öffentliche Sprechstelle Altersheide in Aldenhövel 46, Inhaber ist Heinrich Eckervogt, weil sie nur 500 m von der Post-öffentlichen Sprechstelle Aldenhövel entfernt liegt.
Wenn man so die Erinnerungssplitter aus 150 Jahren Postgeschichte in Ottmarsbocholt zusammenträgt, stellt man fest, dass eine ganze Reihe Probleme eigentlich immer schon irgendwie da waren, und verlassen wir uns darauf, auch wenn sie anders heißen, sie kommen irgendwann alle einmal wieder.

Siegfried Elkendorf (1991)

Aus "Ottmarsbocholt - Geschichte + Geschichten"